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Samstag, 10. Juni 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte Johann Heinrich Zehnbauer, 14.05.1915 (07_004)

"... den Leuten hats sehr leid getan, wie ich fort bin..."

Im April und Mai ist die Batterie in die Stellungskämpfe im Raum Diksmuide verwickelt. Die Munitionskolonne verweilt in Moere. [1][2]

Danach verlegt man die Batterie nach Osten[3], vermutlich ist das auch der Grund für den von Johann Heinrich erwähnten wehmütigen Abschied von Moere, der ihm aufgrund der guten Unterbringung, in unmittelbarer Nähe zur Kirche[4], und der freundlichen Aufnahme bei Einheimischen besonders schwer gefallen sein muss.

„Feldpostkarte, gelaufen: 15.05.1915, K.D. Feldpostamt des XXII. Res.-Korps, Absender: Gefr. Zehnbauer, Leichte Mun.-Kol. der 1ten Res. Fussart. Battr. 22 4. Westarmee, Adressat: Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.d.B. Hessen, Wormserstr. 19  
Text: Liebe Frau! Deinen lieben Brief vom 4/5 [Anm.: Dienstag, den 04.05.1915] habe ich erhalten. Heute sind wir von Moere fort, das war auch schade, denn ich war da wie zu Hause. Hebe diese Karte gut auf zum Andenken. Das ist die Moerekirche. An der Kirche gegenüber war das gute Quartier von mir. Ich soll dir noch einen Gruß ausrichten von den Leuten, den hats sehr leid getan, wie ich fort bin. Da hat das [Milchtrinken] ein Ende, das tut mir auch Leid. Ich dachte immer wir bleiben hier bis Frieden gibt. Gruß von Rothermel, es hat ihm zu Hause gut gefallen. Mit herzlichen Grüßen von deinem dich liebenden Mann
Vorderseite: Wenn ich Zeit habe, schicke ich dir einen Brief; Bitte grüße mir alle Verwandten und Bekannten“
Anzumerken ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Karte an dem Tag versandt wurde, an dem der Ausführungsbefehl zur Aufstellung des Reserve-Fußartillerie-Bataillons 22 erlassen wurde[5]

Dieses Bataillon wird gebildet aus[6]:
  • dem I. Halbbataillon Landwehr-Fußartillerie Bataillon Nr.2
  • der 1. Reserve-Fußartillerie-Batterie Nr. 22 und deren leichter Munitionskolonne.

Somit entsteht aus:
  • Stab Landwehr 2 der Stab Reserve-Fußartillerie-Bataillon 22
  • 1. Reserve-Fußartillerie-Batterie 22 die 1. Batterie Fußartillerie-Bataillon 22
  • 2. Batterie Landwehr 2 die 2. Batterie Fußartillerie-Bataillon 22
  • 4. Batterie Landwehr 2 die 3. Batterie Fußartillerie-Bataillon 22

Somit tragen alle weiteren Schreiben Johann Heinrich Zehnbauers den Absender der 1. Batterie Fußartillerie-Bataillon 22.


NL_Zehnbauer_07_004.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen: 15.05.1915, K.D. Feldpostamt des XXII. Res.-Korps, Absender: Gefr. Zehnbauer, Leichte Mun.-Kol. der 1ten Res. Fussart. Battr. 22 4. Westarmee, Adressat: Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.d.B. Hessen, Wormserstr. 19 Text: Liebe Frau! Deinen lieben Brief vom 4/5 [Anm.: Dienstag, den 04.05.1915] habe ich erhalten. Heute sind wir von Moere fort, das war auch schade, denn ich war da wie zu Hause. Hebe diese Karte gut auf zum Andenken. Das ist die Moerekirche. An der Kirche gegenüber war das gute Quartier von mir. Ich soll dir noch einen Gruß ausrichten von den Leuten, den hats sehr leid getan, wie ich fort bin. Da hat das [Milchtrinken] ein Ende, das tut mir auch Leid. Ich dachte immer wir bleiben hier bis Frieden gibt. Gruß von Rothermel, es hat ihm zu Hause gut gefallen. Mit herzlichen Grüßen von deinem dich liebenden Mann; Vorderseite: Wenn ich Zeit habe, schicke ich dir einen Brief; Bitte grüße mir alle Verwandten und Bekannten; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.



Links und Literaturhinweise

[1] siehe: Filtzinger, Ph. (1933): Seite 28f.
[2] Niederländische wikipedia-Seite zu Moere https://nl.wikipedia.org/wiki/Moere
[3] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 36.
[4] Offizielle, flämischsprachige Seite des belgischen Denkmalschutzes  https://inventaris.onroerenderfgoed.be/erfgoedobjecten/52129
[5] siehe: Filtzinger, Ph. (1933): Seite 36.
[6] siehe: Filtzinger, Ph. (1933): Seite 34.

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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Danke, aber habe noch keinen Appetit gehabt.... Der arme Kerl war so ein guter Mensch

Johann Heinrich Zehnbauer (09.02.1882 - 21.11.1953), 1917 in der Nähe von Ypern eingesetzt, bedankt sich bei seinem Bruder, dem Bensheimer Metzgermeister Johann Adam Zehnbauer, gerade für den Erhalt eines Paketes Fleischwaren. Jedoch ist seine Freude getrübt, denn obwohl das Paket an der Front ein Segen dargestellt haben muss, ist es mit einem traumatischen Ereignis verknüpft. In einem Feldpostbrief vom 21.08.1917 an die Metzgerei adressiert, beschreibt er die Vorfälle an der Front.

Er schreibt:
Flandern 19 August 1917 [Anm.: Raum Beselare, Belgien; Nähe Ypern]
Lieber Bruder und Schwägerin
Eure Sendung und Briefchen erhalten. Meinen herzlichsten Dank dafür. Aber gegessen habe ich noch nichts davon. Habe auch keinen richtigen Appetit gehabt, der ist mir dieser Tag mal vergangen. Da sitze ich gerade so gemütlich am Abend beim Kaffeetrinken und esse mein Brot dazu und wollte grad von der Wurst abschneiden, da saust mir eine Granate über den Kopf und schlägt 100m weiter ein. Ich bin darüber so erschrocken, daß mir heute noch die Hände zittern. Wir liegen nämlich hier auf einem Speicher mit Stroh drauf. Wenn ich draußen in Stellung bin da fällt mir das gar nicht ein, weil wir nichts anderes zu erwarten haben aber im Quartier da man an nichts denkt ist anders. Da bin ich dann gleich vom Speicher runter in die Wiese gelaufen. Auf einmal kommt wieder ein Schuß direkt neben unseren Stall und schlägt im Stall 4 Pferde gleich mausetot und 2 sind gleich drauf kabut gegangen. Einer hat noch ein tiefes Loch im Leib der lebt noch.  Aber auch ein Mann mußte noch dabei bleiben. Der arme Kerl war so ein guter Mensch gewesen. Was habe ich da Glück gehabt, daß ich darauf grad nicht im Stall war. Hier geht es überhaupt sehr schlimm zu. Wenn wir nur hier wieder gesund heraus wären. Sonst bin ich noch Gott sei Dank gesund, was ich von Euch auch hoffe. Vielleicht komme ich auch bald wieder mal in Urlaub. Mit herzlichen Grüßen Euer Bruder und Schwager JEAN (Spitzname von Johann Heinrich Zehnbauer)
Viele Grüße an die Kinder und die Mutter und Großmutter.
Gruß an Betha und Mann, Gretchen und die Tante
Auf Wiedersehen. Eben sitze ich auf der Wiese und tue Pferde [zeichnen]




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