"Die kleine Lisa ist erst neun Jahre alt. Sie geht in Bensheim zur Schule, ihr Vater ist im Krieg und die Schülerin spendet ihr Taschengeld der Front".
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| Lisa (Elisabeth) Zehnbauer und ihre Klasse der Katholischen Volksschule Bensheim mit der Klassenlehrerin Frau Kempf 1917 |
So dürften etliche Lebensläufe in Deutschland, ja in ganz Europa ausgesehen haben und die kleine Lisa war nicht die einzige Schülerin, die dem Aufruf zur Spende gefolgt sein dürfte.
Das Formular war für Schulen vorbereitet worden; der Name des Schülers, der Schule und des Lehrers kamen in die entsprechenden, vorgedruckten Felder. Da konnte man gar nicht "Nein" sagen!
Zu Beginn des Krieges hatte man sich in Deutschland zur Finanzierung des Krieges, dem liberalen Wirtschaftsgeist der Epoche gemäß, für Anleihen entschieden und nicht wie andere Staaten für eine Erhöhung der Steuern. Geld musste her und zwar in rauen Mengen, denn bereits die erste Kriegswoche schlug mit rund 750 Millionen Mark zu Buche, der erste Monat verschlang bereits 2.25 Milliarden Mark und es sollten noch vier Jahre Krieg folgen.
Die erste Kriegsanleihe vom 10. bis 19. September 1914 brachte mit 1.177.235 Zeichnern, die alle 100 Mark einlegen mussten, insgesamt 4.5 Milliarden Mark. Aber 100 Mark Mindesteinlage war für keinen normalen Schüler zu stemmen. Zwar gab es auch schon im Rahmen der allerersten Kriegsanleihe Schulen und Schüler, die sich beteiligten, aber dabei handelte es sich um wenige Schulen, meist elitäre Gymnasien, die dieses Opfer erbringen konnten.
Einhundert Mark waren für das älteste der 6 Kinder Johann Heinrich Zehnbauers undenkbar. Das sah wohl auch die Regierung so und es wurden ab der 2. Kriegsanleihe auch Schulen mit einbezogen. Was vorerst noch als "pädagogischer Missgriff" verurteilt wurde, entwickelte sich spätestens mit der vierten Anleihe zu einer schulischen Pflichtveranstaltung.1
Jetzt durfte auch die kleine Lisa ihr Opfer bringen. Frau Kempf die Klassenlehrerin konnte gar nicht anders, als diesen organisierten Opfergang institutionell umsetzen und so landete das Taschengeld der kleinen Lisa... wo es besser nicht gelandet wäre!
Links und Literaturhinweise
1) siehe: Kronenberg, Martin (2014): Kampf der Schule an der "Heimatfront" im Ersten Weltkrieg: Nagelungen, Hilfsdienste, Sammlungen und Feiern im Deutschen Reich, Hamburg, Seite 106ff.© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2018, Alle Rechte vorbehalten.


![NL_Zehnbauer_006.jpg; Johann Joseph Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen 24.12.1915; Stempel: Stab 76. Reserve Infanterie Division; Absender: Unteroffizier Zehnbauer beim Stab der 76. Reserve Division; Adressat: Johann Adam Zehnbauer, Bensheim an der Bergstraße, Hessen;18.12.1915; Lieber Bruder und Schwägerin! Viele herzliche Grüße und Glücks- und Segenswünsche für die bevorstehenden Feiertage sende ich Euch aus dem Felde. So Gott will wird das neue Jahr besser als das jetzt bald vergangene. Aus meinem Urlaub bin ich gut angekommen und habe mich auch wieder gut eingewöhnt. Leicht ist der Abschied aus der Heimat nicht. Bis jetzt geht es ja Gott sei Dank noch gut. Hoffentlich bleiben wir längere Zeit hier in unserer jetzigen Stallung. Für die Weihnachtsfeier werden schon alle Vorbereitungen getroffen. Hoffentlich lassen uns die Russen während der Zeit in Ruhe denn die feiern Weihnachten erst 13 Tage später. Sonst gibt es nichts Neues. Grüßet alle Verwandten und Bekannten und [...] herzliche Grüße an Euch Alle von Eurem Joseph; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 NL_Zehnbauer_006.jpg; Johann Joseph Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen 24.12.1915; Stempel: Stab 76. Reserve Infanterie Division; Absender: Unteroffizier Zehnbauer beim Stab der 76. Reserve Division; Adressat: Johann Adam Zehnbauer, Bensheim an der Bergstraße, Hessen;18.12.1915; Lieber Bruder und Schwägerin! Viele herzliche Grüße und Glücks- und Segenswünsche für die bevorstehenden Feiertage sende ich Euch aus dem Felde. So Gott will wird das neue Jahr besser als das jetzt bald vergangene. Aus meinem Urlaub bin ich gut angekommen und habe mich auch wieder gut eingewöhnt. Leicht ist der Abschied aus der Heimat nicht. Bis jetzt geht es ja Gott sei Dank noch gut. Hoffentlich bleiben wir längere Zeit hier in unserer jetzigen Stallung. Für die Weihnachtsfeier werden schon alle Vorbereitungen getroffen. Hoffentlich lassen uns die Russen während der Zeit in Ruhe denn die feiern Weihnachten erst 13 Tage später. Sonst gibt es nichts Neues. Grüßet alle Verwandten und Bekannten und [...] herzliche Grüße an Euch Alle von Eurem Joseph; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017](https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjPV8Q7RZhNdJIKYIQRKG-rFxLXoPkewrGE7yQhTcli9NutomQE37EUtV4uoTmhOFRxZp-YBXfTK8bWHpsApQCGto2zsID8Mt2W7YcyLZpX0bkzT5XDOJF9dU38hzjfGQGnP6e_LATMf7A/s1000/NL_Zehnbauer_11_006_klein.jpg)
![NL_Zehnbauer_08_003.jpg, Nachlass Zehnbauer, Bensheim, Feldpostkarte, gelaufen 27.10.1914, K.D. Feldpostamt des XXII. Res.-Korps, Absender: Gefreiter Zehnbauer, Munitionskolonne, Fußart. Batt. 22, 22. Res. Armeekor, 43. Res. Division; Adressat: Frau Franziska Zehnbauer, Bensheim a.B. Hessen, Wormserstr. 19, Text: 27.10.1914, Die besten Grüße und Küsse sendet dir dein Johann. Gestern war ich bei [Name].[Name] hat mir eine Dose Butter gegeben, die er in Frankreich mitgenommen hat. Warum schreibst du mir nicht wie es zu Hause zugeht. Gruß an Heinrich [...] und Familie und alle Bekannten Vorderseite: Alle haben schon Post bekommen, nur ich nicht; Absender [s.o.]; Gruß an Familie [...] und Settetante, digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 © NL_Zehnbauer_08_003.jpg, Nachlass Zehnbauer, Bensheim, Feldpostkarte, gelaufen 27.10.1914, K.D. Feldpostamt des XXII. Res.-Korps, Absender: Gefreiter Zehnbauer, Munitionskolonne, Fußart. Batt. 22, 22. Res. Armeekor, 43. Res. Division; Adressat: Frau Franziska Zehnbauer, Bensheim a.B. Hessen, Wormserstr. 19, Text: 27.10.1914, Die besten Grüße und Küsse sendet dir dein Johann. Gestern war ich bei [Name].[Name] hat mir eine Dose Butter gegeben, die er in Frankreich mitgenommen hat. Warum schreibst du mir nicht wie es zu Hause zugeht. Gruß an Heinrich [...] und Familie und alle Bekannten Vorderseite: Alle haben schon Post bekommen, nur ich nicht; Absender [s.o.]; Gruß an Familie [...] und Settetante, digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©](https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiLCWIHrl55wnMm0FCeNiZ7TRP3nMOrBJs0ChDhhZkuyyhnEh_aQQA-wKk_hc4Z_a11F9aO8ZUmvqdyK47DG7TjHECfSfOY42Txur_vrLDDy6EmNHGzTLQEG_1sNvwNegss96YHE8rYXl0/s1000/BIAB_NL_Zehnbauer_08_003.jpg)



