Posts mit dem Label 1916 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 1916 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 26. Oktober 2018

Medaille für die Goldsammlung 1916 - "Gold gab ich zur Wehr - Eisen nahm ich zur Ehr"

Zu der hier bereits gezeigten Urkunde über die Goldsammlung im Werte von 16,50 Mark gibt es auch noch eine Medaille aus - wie könnte es anders sein - Eisen.

Auch wenn die meisten Medaillen immer im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg gesehen werden, so liegt der Ursprung der Idee über Material- und Geldspenden für Kriegszwecke im Jahre 1813.
Es war Prinzessin Marianne von Preußen, die im Rahmen der Befreiungskriege preußische Frauen zur Abgabe ihres Schmucks aufforderte und so einen Aufruf Rudolph Werkmeisters in der Spenerschen Zeitung unterstützte. So sollte der Kampf gegen die napoleonische Besetzung Preußens unterstützt werden.1

Die Medaille der "Sammlung von Goldschmuck 1916", die hier gezeigt wird, besteht aus zwei Teilen: Einer geprägten Front aus dünnem Blech, die über den rückwärtigen Teil der Medaille gestülpt ist und mit umgebogenen Laschen die zweiteilige Medaille zu einer Einheit verbindet. Der rückwärtige Teil wurde mit einer Broschennadel und Öse versehen. Der vordere Teil zeigt eine Frau, die kniend ihren Goldschmuck reicht, begleitet von den Worten "IN EISERNER ZEIT", die Rückseite trägt die Worte "GOLD GAB ICH ZUR WEHR - EISEN NAHM ICH ZUR EHR", darunter Eichenlaub und der Namen des Künstlers "Hosaeus". Der Durchmesser beträgt 41mm, die Tiefe 4mm.

Die Medaille der "Sammlung von Goldschmuck 1916", die hier gezeigt wird, besteht aus zwei Teilen: Einer geprägten Front aus dünnem Blech, die über den rückwärtigen Teil der Medaille gestülpt ist und mit umgebogenen Laschen die zweiteilige Medaille zu einer Einheit verbindet. Der rückwärtige Teil wurde mit einer Broschennadel und Öse versehen. Der vordere Teil zeigt eine Frau, die kniend ihren Goldschmuck reicht, begleitet von den Worten "IN EISERNER ZEIT", die Rückseite trägt die Worte "GOLD GAB ICH ZUR WEHR - EISEN NAHM ICH ZUR EHR", darunter Eichenlaub und der Namen des Künstlers "Hosaeus". Der Durchmesser beträgt 41mm, die Tiefe 4mm.


Links und Literaturhinweise


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2018, Alle Rechte vorbehalten.

Mittwoch, 26. September 2018

4. Kriegsanleihe 1916 - Bensheimer Schülerin opfert ihr Taschengeld für die Soldaten an der Front

"Die kleine Lisa ist erst neun Jahre alt. Sie geht in Bensheim zur Schule, ihr Vater ist im Krieg und die Schülerin spendet ihr Taschengeld der Front".

Lisa (Elisabeth) Zehnbauer und ihre Klasse der Katholischen Volksschule Bensheim mit der Klassenlehrerin Frau Kempf 1917

So dürften etliche Lebensläufe in Deutschland, ja in ganz Europa ausgesehen haben und die kleine Lisa war nicht die einzige Schülerin, die dem Aufruf zur Spende gefolgt sein dürfte. 

Das Formular war für Schulen vorbereitet worden; der Name des Schülers, der Schule und des Lehrers kamen in die entsprechenden, vorgedruckten Felder. Da konnte man gar nicht "Nein" sagen!



Zu Beginn des Krieges hatte man sich in Deutschland zur Finanzierung des Krieges, dem liberalen Wirtschaftsgeist der Epoche gemäß, für Anleihen entschieden und nicht wie andere Staaten für eine Erhöhung der Steuern. Geld musste her und zwar in rauen Mengen, denn bereits die erste Kriegswoche schlug mit rund 750 Millionen Mark zu Buche, der erste Monat verschlang bereits 2.25 Milliarden Mark und es sollten noch vier Jahre Krieg folgen. 

Die erste Kriegsanleihe vom 10. bis 19. September 1914 brachte mit 1.177.235 Zeichnern, die alle 100 Mark einlegen mussten, insgesamt 4.5 Milliarden Mark. Aber 100 Mark Mindesteinlage war für keinen normalen Schüler zu stemmen. Zwar gab es auch schon im Rahmen der allerersten Kriegsanleihe Schulen und Schüler, die sich beteiligten, aber dabei handelte es sich um wenige Schulen, meist elitäre Gymnasien, die dieses Opfer erbringen konnten.

Einhundert Mark waren für das älteste der 6 Kinder Johann Heinrich Zehnbauers undenkbar. Das sah wohl auch die Regierung so und es wurden ab der 2. Kriegsanleihe auch Schulen mit einbezogen. Was vorerst noch als "pädagogischer Missgriff" verurteilt wurde, entwickelte sich spätestens mit der vierten Anleihe zu einer schulischen Pflichtveranstaltung.1

Jetzt durfte auch die kleine Lisa ihr Opfer bringen. Frau Kempf die Klassenlehrerin konnte gar nicht anders, als diesen organisierten Opfergang institutionell umsetzen und so landete das Taschengeld der kleinen Lisa... wo es besser nicht gelandet wäre!


Links und Literaturhinweise

1) siehe: Kronenberg, Martin (2014): Kampf der Schule an der "Heimatfront" im Ersten Weltkrieg: Nagelungen, Hilfsdienste, Sammlungen und Feiern im Deutschen Reich, Hamburg, Seite 106ff.

© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2018, Alle Rechte vorbehalten.

Montag, 10. September 2018

"Gold gab ich für Eisen" - Urkunde über eine Goldspende anlässlich der Goldsammlung 1916.

Der Krieg hielt auch 1916 weiterhin an und nicht nur die Lage an der Front verschärfte sich, sondern auch die Haushaltslage der europäischen Kriegskassen. In ganz Europa, selbst in den USA, wurden auf verschiedene Art und Weise Rohstoffe eingesammelt, Geldspenden erbeten und Edelmetalle in Devisen getauscht, um die unaufhaltsam steigenden Kosten bei sich gleichzeitig verschärfender Rohstoffversorgung sicherzustellen.

Unaufhaltsam wurde im wahrsten Sinne des Wortes "das Tafelsilber verscherbelt". Waren es zu Beginn noch reine Kriegsanleihen, so machte man nun auch vor Kirchenglocken, Orgelpfeifen und Eheringen nicht mehr Halt.


Die hier gezeigte Urkunde über 16,50 Mark abgelieferten Goldes ist ein Beleg für den verzweifelten Versuch, den Krieg am Laufen zu halten. Was aber waren 16,50 Mark zur damaligen Zeit wert? Was konnte sich der Spender für diesen "vergüteten" Betrag kaufen.

Vielleicht macht man dies am besten an alltäglichen Gütern fest, dem Brot zum Beispiel. Im Jahre 1916, dem Zeitpunkt der Goldspende, hätte man 100 kg Weizenmehl  - jetzt kommen regionale Unterschiede zum Tragen - für 34,75 Mark in Eilenburg / Sachsen kaufen können oder für die gleiche Menge 50 Mark in Bayreuth / Bayern gezahlt. Das Brot als Bezugsgröße hätte in Frankfurt am Main 40 Pfennige für ein Kilogramm gekostet, wären also 41 Laib Brot gewesen.1

Was genau der edle Spender eingereicht hat, ist leider nicht klar, aber zumindest ist er eine Zeit lang satt geworden. War er der Einzige? Wohl kaum, denn sein Beitrag war, gemessen an der Gesamtsumme, bescheiden.

Die Werte der verschiedenen "Gelddruckaktionen" und deren Absicherung durch Kriegsanleihen kann man im Detail nachvollziehen. Im Jahre 1916 wurden durch zwei Kriegsanleihen - es waren während des Krieges insgesamt neun Kriegsanleihen - 21.365.000.000 Mark erzielt, allerdings 23.154.000.000 Mark als Schatzanweisungen in Umlauf gebracht2.... Richtig! Der Volksmund spricht von "Miesen"!



Links und Literaturhinweise

1) Brot- und Mehlpreise 1916, Quelle: Bergische Arbeiterstimme 29. Juni 1916: Mehl- und Brotpreise in deutschen Städten, entnommen der Homepage "1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch" https://archivewk1.hypotheses.org/27632

siehe auch: Goldsammlung Petrinum - Schüler überwiesen im Kriegsjahr 1915 bereits 56.840 Goldmark, auf http://www.dorsten-lexikon.de/goldsammlung-petrinum/

© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2018, Alle Rechte vorbehalten.

Dienstag, 27. März 2018

Fotografie des Dragoners Paul Klein aus Bensheim Auerbach, gefallen im August 1916 in Frankreich

Wieder einmal hat Herr Hans Bernhard Schober ein Zeitdokument aus dem Ersten Weltkrieg zur Verfügung gestellt, welches die Geschichte der Bensheimer im Ersten Weltkrieg um ein weiteres Puzzleteilchen ergänzt.

Paul Kleins Name wird auf dem Ehrenmal in Bensheim Auerbach geführt und dort sein Tod mit dem Datum 16.08.1916 angegeben. Das unten angeführte Bild zeigt ihn als Dragoner - so die Aufschrift auf der Rückseite des Bildes: "Dragoner Paul Klein, gefallen August 1916 bei () Frankreich" - wobei die Angaben in Bezug auf auf den Sterbeort und das Sterbedatum unvollständig sind.

Bei den Recherchen nach Paul Klein fällt auf, dass:
a) sein Name sich nicht in den Online-Listen des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. finden lässt,
b) der Name Paul Klein - eingegrenzt durch das ungefähre Todesdatum - in den Verlustlisten nur als "schwer verwundet" auftaucht (Deutsche Verlustliste Nr. 601., 8. August 1918, Seite 13876, Reichenbach, Landwehr-Infanterie-Regiment 84). 

Inwiefern die Uniform, die Zugehörigkeit zur Landwehr (Hinweise Verlustlisten und Ehrenmal) und der Hinweis auf den Fotografen "Atelier A. Nolden Cöln-Deutz, Freiheitsstraße 55" weitere Möglichkeiten bieten, den Werdegang und das Schicksal des Paul Kleins zu erschließen, ist unklar.


BIAB_HBS_0023.jpg; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober; Fotografie mit Aufschrift auf der Rückseite "Dragoner Paul Klein, gefallen August 1916 bei () Frankreich". Das Bild wurde vom Fotografen "Atelier A. Nolden Cöln-Deutz, Freiheitsstraße 55" gefertigt. Auf dem Ehrenmal in Bensheim Auerbach wird der Dragoner Paul Klein ebenfalls erwähnt. Hier lautet die Inschrift "Klein, Paul  Ldwhr. Frankreich gefallen 16.08.1916"; Nachlass Paul Klein, Bensheim; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober, zusammengestellt von Frank-Egon Stoll-Berberich 2017.

Ehrenmal Bensheim-Auerbach


Weitere Details zum Ehrenmal in Bensheim Auerbach finden Sie hier.


Links und Literaturhinweise



© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2018, Alle Rechte vorbehalten.


Samstag, 20. Januar 2018

Georg Seeger - Von der Auerbacher Kapelle zur Regiments-Musik

Die Familie Seeger aus Auerbach ist ja bereits aus den Beiträgen über Jakob Seeger bekannt. Georg Seeger schreibt heute eine Feldpostkarte aus - vermutlich Wetzlar - an seinen Bruder Jakob Seeger.

Georg Seeger - beim Musikkorps des Reserve Infantrieregiments 81 - schreibt:
"geschrieben, den 12.09.1916; Lieber Bruder! Deine Karte erhalten. Besten Dank. Wie ich darüber erfahre, geht es noch dir gut, was auch bei mir der Fall ist. Ich hoffe auch bald wieder einmal auf Urlaub kommen zu können. Herzliche Grüße sendet Dein Bruder Georg. Abs: Wehrm. Gg. Seeger 6. Komp R. I. R. 81, Reg. Musik"


Vermutlich fand Jakob Seeger zu der Einheit aufgrund seiner musikalischen Fähigkeiten, denn die Mitglieder der Familie Seeger waren in Auerbach als Kapelle ebenfalls bekannt. Hierzu lässt sich bei LAGIS folgender Eintrag finden:

Die Kapelle Seeger spielt in Bensheim zur Musterung, 1907-1908

Quelle: „Die Kapelle Seeger spielt in Bensheim zur Musterung, 1907-1908“, in: Historische Bilddokumente <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bd/id/198-114> (Stand: 20.4.2011)

Freitag, 25. August 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte Johann Heinrich Zehnbauer, 16.12.1916 (07_003)

Die Feldpostkarte, die als Weihnachtsgruß für die in Bensheim wohnende Familie gedacht ist, wirkt aus heutiger Sicht besonders tragisch, wünscht sich Johann Heinrich, nach den schweren Kämpfen an der Somme und seit Dezember in Hinacourt[1] in Ruhe liegend, doch das Ende des Krieges herbei. 

Er wird noch zwei Jahre warten müssen, bis er Weihnachten wieder in Frieden feiern kann. Er schreibt:

„Feldpostkarte, gelaufen: 17.12.1916, K.D. Feldpostamt des Gardekorps, S.B. Mun. - Kol. der 2. Battr Fussartl. Batls. Nr. 22, Absender: Untffz. Zehnbauer, M.Kl. 2. Bttr. 1 Btl. Masurisches Fußart. Rgt. 22 2. Armee Westen [...] Batl. 22
16.12.1916, Liebe Frau und Kinder Eine gesegnete Weihnachten wünscht Euch Euer Vater. Wenn Gott will, ist das diesmal die letzte Weihnachten im Krieg. Vielleicht können wir uns dann die nächste Weihnachten mehr freuen. Gruß Rothermel [Anm.: Johann Heinrichs Unterschrift fehlt; vermutlich um Platz für Rothermels Gruß zu lassen]“

NL_Zehnbauer_07_003.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen: 17.12.1916, K.D. Feldpostamt des Gardekorps, S.B. Mun. - Kol. der 2. Battr Fussartl. Batls. Nr. 22, Absender: Untffz. Zehnbauer, M.Kl. 2. Bttr. 1 Btl. Masurisches Fußart. Rgt. 22 2. Armee Westen (Fußart Batl. 22); 16.12.1916, Liebe Frau und Kinder Eine gesegnete Weihnachten wünscht Euch Euer Vater. Wenn Gott will, ist das diesmal die letzte Weihnachten im Krieg. Vielleicht können wir uns dann die nächste Weihnachten mehr freuen. Gruß Rothermel [Anm.: Johann Heinrichs Unterschrift fehlt; vermutlich um Platz für Rothermels Gruß zu lassen]; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich ©


Standort der Munitionskolonne der 2. Batterie im Dezember 1916





Links und Literaturhinweise

[1] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 172.


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.


Donnerstag, 17. August 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte Johann Heinrich Zehnbauer, 12.12.1916 (02_004)

Das Bild zeigt die Einheit Johann Heinrichs in ihrem Waldlager im Bois de Croix (Nähe Falvy), während der Schlacht an der Somme (siehe: 05.07.1916 (09_004)).[1]

Am 12. Dezember, dem Zeitpunkt an dem Johann Heinrich die Karte schreibt, liegt die Munitionskolonne der 2. Batterie in Hinacourt in Ruhe.[2]

In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Einheit in einem der umkämpftesten Gebiete des Krieges befindet, lässt der Text nur vermuten, dass kurz vor Weihnachten die Nachrichten an die Familien zuhause so wenige Details wie möglich über die Lage an der Front enthalten sollen. Die Karte enthält vielmehr Informationen über den Zustand und die Unterbringung der Pferde, ein Sachverhalt, der auch in anderen Schreiben an die Familie immer wieder auftritt, insbesondere in belastenden Situationen (siehe auch Feldpostbrief vom 21.08.1917 (NLJZ_0633)).

Zudem ist diese Feldpostkarte als Kontrollkarte zu verstehen auf die unmittelbar zuvor verschickte Karte (siehe 12.12.1916 (05_003)), die auf ein Paket hinweist, welches ein „Weihnachtsgeschenk“ in Form von Butter beinhaltet.

„Ansichtskarte, gelaufen 13.12.1916 K.D. Feldpostexp. des Gardekorps, Absender: Untffz. Zehnbauer M.K. 2. Batterie, Masurisches Fußartillerie Regiment 22, 2. Armee Westen (Fußart. Btl. 22), Adressat: Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.d. B / Hessen, Wormserstr. 19 
Text: 12.12.1916, Liebe Frau! hier eine Ansichtskarte von unseren Baracken im Waldlager an der Somme. Mich wirst du wohl nicht darauf finden, denn ich stehe ganz hinten neben der Baracke. Da standen unsere Pferde fast den ganzen Sommer. Hier stehen sie tief in schönen Ställen und haben gutes Futter. Wenn du das Paket erhalten hast, dann schreibe mir das gleich. Herzliche Grüße und Küsse Dein lieb. Mann. Gruß von Krauß und Rothermel Otto“

Die zwei genannten Kameraden tauchen in etlichen Schreiben an die Familie immer wieder auf. Unteroffizier Krauß ist auf einem der Bilder einer Feldpostkarte zu erkennen (siehe 30.06.1916 (02_003)). Otto Rothermel wurde auf einer anderen Feldpostkarte (05.07.1916 (09_004)) mit einem Pfeil markiert und ist ansatzweise zu erkennen. 

Bei der Recherchen zu Otto Rothermel ließ sich in der Verlustliste[3],  vom 4. Juli 1918 auf Seite 24823 ein Otto Rothermel finden, der aus Hammelbach (Odenwald) stammte, am 10. Juli geboren wurde und als „leicht verwundet“ verzeichnet wurde. Ob es sich dabei um den in den Feldpostbriefen genannten und gezeigten Otto Rothermel handelt, ist unklar.


Standort der Munitionskolonne der 2. Batterie




Links und Literaturhinweise

[1] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 358f.
[2] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 172.
[3] http://des.genealogy.net/search/show/8468179


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.


Freitag, 11. August 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte Johann Heinrich Zehnbauer, 12.12.1916 (05_003)

Diese Feldpostkarte muss im Zusammenhang mit der am selben Tag geschriebenen, aber einen Tag später abgeschickten, Feldpostkarte (siehe 12.12.1916 (02_004)) gesehen werden. Johann Heinrich schreibt recht knapp aber in ungewohnt liebenswürdiger Weise:

„Feldpostkarte gelaufen 12.12.1916, K.D. Feldpostamt des Gardekorps, Zusatzstempel: S.B. Mun.-Kol. der 2. Batt, Fussartl. Batls.-Nr. 22, Absender: Untffz. Zehnbauer, Mun. Kol. 2. Battr., Masurisches Fußart. Regt. 22, 1 Btl. (Fußart. Batl. 22) Adressat: An Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.B. Hessen, Wormserstr. 19; 
Text: 12.12.1916, Liebe Frau! Habe das Paket mit der Butter fortgeschickt, wie ich dir gestern geschrieben habe. Krauß fährt jetzt in 14 Tagen in Urlaub. Werde ihm dann was mitgeben für dich auf Weihnachten. Dann kannst du dir ein Christkindchen kaufen, wie ich mit dir gesprochen habe. Sonst noch gesund. Schreibe mir bald wieder, wenn es zu Zeiten geht. Grüße und Küsse d.d.l. Mann.“

Das Motiv der Feldpostkarte zeigt die Stallungen der Munitionskolonne. Der Rittmeister der Feldpostkarte vom 30.06.1916 (02_003) scheint derselbe zu sein, wie der ganz rechts im Bild stehende Rittmeister dieser Feldpostkarte.

Im Dezember 1916 verweilt die Munitionskolonne der 2. Batterie in Hinacourt in Ruhe. Der Absender trägt schon den Namen des neu aufgestellten Masurischen Fußartillerieregiments Nr. 22. Am 28. November 1916 wurde auf „Befehl des Kriegsministeriums 2323 16g A5 die Aufstellung des Masurischen Fußartillerie-Regiments Nr. 22 verfügt. Das bereits bestehende Bataillon wird I. Bataillon des Regiments“.  

Somit gehört Johann Heinrich Zehnbauer nun zur Munitionskolonne der 2. Batterie des I. Bataillons des Masurischen Fußartillerie Regiments 22.



NL_Zehnbauer_05_003_Ausschnitt.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte gelaufen 12.12.1916, K.D. Feldpostamt des Gardekorps, Zusatzstempel: S.B. Mun.-Kol. der 2. Batt, Fussartl. Batls.-Nr. 22, Absender: Untffz. Zehnbauer, Mun. Kol. 2. Battr., Masurisches Fußart. Regt. 22, 1 Btl. (Fußart. Batl. 22) Adressat: An Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.B. Hessen, Wormserstr. 19; Text: 12.12.1916, Liebe Frau! Habe das Paket mit der Butter fortgeschickt, wie ich dir gestern geschrieben habe. Krauß fährt jetzt in 14 Tagen in Urlaub. Werde ihm dann was mitgeben für dich auf Weihnachten. Dann kannst du dir ein Christkindchen kaufen, wie ich mit dir gesprochen habe. Sonst noch gesund. Schreibe mir bald wieder, wenn es zu Zeiten geht. Grüße und Küsse d.d.l. Mann.; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.


Standort der Munitionskolonne der 2. Batterie im Dezember 1916




Links und Literaturhinweise

[1] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 172.


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.


Samstag, 5. August 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte Johann Heinrich Zehnbauer, 08.12.1916 (05_004)

Das Motiv dieser Feldpostkarte taucht im Nachlass Johann Heinrichs zweimal auf (siehe 05.07.1916 (09_004) zur Erläuterung des Motivs). Der Text ist aus zwei Gründen nicht ganz verständlich. Zum einen lässt sich ein Wort nicht entziffern, welches aber relevant ist, um seine Kritik am „Munitionsfahren“ verstehen zu können, zum anderen ist nicht ganz klar, warum er kurzfristig seiner Tätigkeit nicht nachgehen muss. 

Der Text lautet:
„Ansichtskarte gelaufen 10.12.1916, K.D. Feldpostamt des Gardekorps, Zusatzstempel: S.B. Mun.-Kol. der 2. Battr., Fussartl. Batls.-Nr. 22, Absender: Untffz. Zehnbauer, Mun. Kol. 2. Battr., Adressat: Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.B. Hessen, Wormserstr. 19  
Text: 08.12.1916, Liebe Frau und Kinder! Bin gestern und heute auch bei dem [...], was Onkel Otto geschrieben hat. Das ist schöner als Munition fahren. Habe keine Briefe mit hierher genommen, sonst hätte ich einen Brief geschrieben. Schreibe mir doch bald, wenn es zu Hause geht. Ich muß weg und meist an euch meine Lieben denken. Wenn ich doch nur bald wieder bei Euch sein könnte. Herzlicher Gruß und Kuß Euer Vater, Grüße an alle.“

Eine Vermutung, warum Johann Heinrich Zeit hat, diese Karte zu verfassen und „gestern und heute bei dem […] zu sein“, ist, dass das Bataillon zu diesem Zeitpunkt noch in den Quartieren verweilt und sich von den zuvor stattgefundenen schweren Kämpfen bei Verdun und an der Somme erholt. Die Kolonne der 2 Batterie ist in Hinacourt untergebracht[1].

NL_Zehnbauer_05_004.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte gelaufen 10.12.1916, K.D. Feldpostamt des Gardekorps, Zusatzstempel: S.B. Mun.-Kol. der 2. Battr., Fussartl. Batls.-Nr. 22, Absender: Untffz. Zehnbauer, Mun. Kol. 2. Battr., Adressat: Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.B. Hessen, Wormserstr. 19, Text: 08.12.1916, Liebe Frau und Kinder! Bin gestern und heute auch bei dem [...], was Onkel Otto geschrieben hat. Das ist schöner als Munition fahren. Habe keine Briefe mit hierher genommen, sonst hätte ich einen Brief geschrieben. Schreibe mir doch bald, wenn es zu Hause geht. Ich muß weg und meist an euch meine Lieben denken. Wenn ich doch nur bald wieder bei Euch sein könnte. Herzlicher Gruß und Kuß Euer Vater, Grüße an alle; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

Standort der Munitionskolonne der 2. Batterie am 10.12.1916




Links und Literaturhinweise

[1] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 173.

Freitag, 28. Juli 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Felpostkarte Johann Joseph Zehnbauer, 03.09.1916 (02_002)

Lieber Bruder...bei euch wird es lebhafter sein, als bei uns hier. Das scheint ja mitunter furchtbar zu zugehen...Somme, September 1916!


Wieder einmal nur Andeutungen und zaghafte Hinweise auf die Lage an der Front, sowohl im Osten (Riga) als auch im Westen (Somme). Die drei Brüder, Peter Zehnbauer, Johann Heinrich Zehnbauer und Johann Joseph Zehnbauer, sind alle im Krieg und schreiben sich gegenseitig Briefe. Doch obwohl alle drei die Härte des Krieges selbst erfahren, oder vielleicht genau deswegen, wird die Lage an der Front nicht ausgesprochen.

Johann Joseph Zehnbauer ist beim Stab der 76. Reserve-Division eingesetzt, liegt vor Riga[1], und es scheint, dem Bild der Feldpostkarte nach zu urteilen, weitaus ruhiger zuzugehen, als bei Johann Heinrich Zehnbauer. Johann Joseph sitzt als Unteroffizier mit Kameraden vor einer Blockhaushütte, wobei aufgrund der hohen Qualität des Bildes bei einem Kameraden (vordere Reihe) auf der Schulterklappe deutlich sichtbar die Zahl „254“ zu erkennen ist.

Es handelt sich also um einen Soldaten des Grossherzoglich Hessischen Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 254. Diese Einheit ist dem XVIII. Armee-Korps, 76. Reserve-Division (76. Reserve-Infanterie-Brigade) unterstellt und wurde in Darmstadt aus dem Feldbataillon Nr. 70 (Ers.-Btl. Inf.-Rgt.115), 71 (Ers.-Btl. Inf.-Rgt.118) und 72 (E./L.-St.-B. Friedberg) durch Stellv. Gen. Kdo. XVIII. Armeekorps aufgestellt[2].

Die weitaus „ruhigere“ Lage wird im Text auch entsprechend erwähnt. Zudem ist Peter beim Telephontrupp tätig, was im Rahmen des Stabes vermutlich eine weitaus sichere Tätigkeit darstellt, als die von Johann Heinrich. Allerdings liegen keine genauen Angaben zu Johann Josephs Verwendung vor. 

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Verweis auf den dritten Bruder, Peter, der, wie Johann Heinrich, an der Westfront eingesetzt ist, beide sogar relativ nahe zu einander. Johann Heinrich Zehnbauer muss bei der Munitionskolonne Munition - jeglicher Art - mit von Pferden gezogenen Kutschen an die Front fahren und er befindet sich zu diesem Zeitpunkt - September 1916 - an der Somme. Es toben schwerste Kämpfe, die Johann Joseph Zehnbauer mit den Worten "[...] bei euch wird es lebhafter sein, als bei uns hier. Das scheint ja mitunter furchtbar zu zugehen" kommentiert.

Johann Heinrich äußert sich in einer Karte an seine Familie (siehe Feldpostkarte: Johann Heinrich Zehnbauer, 05.07.1916 (09_004)) ebenfalls nur kurz und zurückhaltend zu den Zuständen an der Somme, aber hier erst einmal der Text der Ansichtskarte von Johann Joseph in voller Länge:

Ansichtskarte, gelaufen 03.09.1916, K.D. Feldpostexp. 76. Reserve-Division, Absender: Untffz. Zehnbauer, 76. Reserve-Division beim Stabe, Adressat: Untffz Zehnbauer, Mun. Kolonne 2. Batterie, Fußartillerie Bataillon 22, 44. Reserve Division

Text: 1. IX. 1916, Lieber Bruder! Anbei sende ich dir mit herzlichen Grüßen ein kleines Bild vom Telephontrupp der Div.[ision]. Peter schrieb mir heute, daß ihr nicht so sehr weit auseinander liegen würdet und daß es dir den Umständen entsprechend gut gehe. Ich kann dasselbe von mir berichten. Bei euch wird es ja etwas lebhafter sein, als bei uns hier. Das scheint ja mitunter furchtbar zu zugehen. Die Aussichten zum Frieden sind ja jetzt wieder in weite Ferne gerückt. Sonst nichts Neues. Nochmals herzlichen Gruß Dein Bruder Joseph

Das auf der Ansichtskartenvorderseite gezeigte Bild dürfte die wahren Lebensbedingungen für den "Telephontrupp" auch nicht widerspiegeln, mussten diese Einheiten doch die Kommunikation mit der vordersten Front und den rückwärtigen Abschnitten durch das ständige Verlegen und Ausbessern von Kabeln unter schwersten Bedingungen herstellen bzw. aufrechterhalten.

Johann Joseph Zehnbauer ist auf dem Bild erste Reihe, Mitte zu erkennen.

Bensheimer im Ersten Weltkrieg - NL_Zehnbauer_02_002.jpg - Ansichtskarte von Johann Joseph Zehnbauer an seinen Bruder Johann Heinrich Zehnbauer aus Bensheim: Ansichtskarte, gelaufen 03.09.1916, K.D. Feldpostexp. 76. Reserve-Division, Absender: Untffz. Zehnbauer, 76. Reserve-Division beim Stabe, Adressat: Untffz Zehnbauer, Mun. Kolonne 2. Batterie, Fußartillerie Bataillon 22, 44. Reserve Division; Text: 1. IX. 1916, Lieber Bruder! Anbei sende ich dir mit herzlichen Grüßen ein kleines Bild vom Telephontrupp der Div.[ision]. Peter schrieb mir heute, daß ihr nicht so sehr weit auseinander liegen würdet und daß es dir den Umständen entsprechend gut gehe. Ich kann dasselbe von mir berichten. Bei euch wird es ja etwas lebhafter sein, als bei uns hier. Das scheint ja mitunter furchtbar zu zugehen. Die Aussichten zum Frieden sind ja jetzt wieder in weite Ferne gerückt. Sonst nichts Neues. Nochmals herzlichen Gruß Dein Bruder Joseph, digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017

Standort 76. Reserve Division


Links und Literaturhinweise


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/76._Reserve-Division_(Deutsches_Kaiserreich) (zuletzt besucht am 06.04.2017)
[2] http://wiki-de.genealogy.net/RIR_254 (besucht am 06.04.2017, Seite bietet Übersicht über Geschichte, Einsatzorte, Gefechte sowie Links zu historischen Bildern)

© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.


Samstag, 22. Juli 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte Johann Heinrich Zehnbauer, 05.07.1916 (09_004)

"...Jetzt sind wir in Verdun 2. Da ist auch nicht schön..."

Beschreibung der Lage an der Somme

Diese Karte fällt durch die vereinfachende und beschönigende Darstellung des Krieges und der Kämpfe auf, in die die Einheit verwickelt gewesen sein muss. Ein weiteres Mal bezieht Johann Heinrich sich auf die Unterbringung der Pferde und erwähnt das eigentliche Kriegsgeschehen nur beiläufig.

„Adressat: An Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.B., Wormserstraße 19; 
Text: Mons an der Somme, 05.07.1916, Liebe gute Frau! Hier ist eine Ansicht von dem Stall vom 2. Beritt. Es ist schade, dass es nicht mein Beritt ist. Wo ich über den Brief hingemacht habe, da steht Otto Rothermel. Da kannst du mal sehen, wie wir damals vor Verdun unsere Ställe gebaut hatten. Jetzt sind wir bei Verdun 2. Da ist auch nicht schön, liegen hier auch im Freien und müssen des Nachts fahren, das passt mir nicht. Die paar Tage Ruhe haben mich schon verwöhnt.  
Mit herzlichem Gruß und Kuß Dein Dich liebender Mann, Auf Wiedersehen“

Ungewöhnlich an dieser Feldpostkarte ist zum einen die Abschiedsformel, die zusätzlich zu dem normalen Abschiedsgruß hinzugefügt worden ist. Kein anderes Schriftstück trägt diese Wortwahl. Zum anderen ist eines der wenigen Schriftstücke in denen Johann Heinrich so deutlich sein „Unbehagen“ über die Zustände äußert. Die Härte der Kämpfe, die zu diesem Zeitpunkt an der Somme stattfinden, zeigen sich zum einen im Vergleich mit den Erlebnissen in Verdun und zum anderen in der Tatsache, dass die Fahrten der Munitionskolonne in der Nacht erfolgen müssen[1]. Die Schilderungen in der Chronik sprechen von unentwegtem Artilleriefeuer, welches die deutsche Seite massiv unter Druck setzt.

Das Motiv der Postkarte deckt sich mit dem der Feldpostkarte vom 08.12.1916 (05_004). Es zeigt das Waldlager während der Schlacht bei Verdun, in die das Bataillons, laut Chronik, vom 4. April bis 10. Juni verwickelt war. Ein weiteres Bild (11_007 vom 26.06.1916) zeigt die Hütten, die sich die Soldaten im Wald bei Verdun errichtet hatten.

Bild zeigt Waldlager in Verdun

In der Chronik wird der 2. Juli als Eintritt des Bataillons in die viermonatige Schlacht an der Somme genannt, der für die Batterien nebst Kolonnen in den ersten Tagen ein ständiges Verlegen der Standorte bedingt. Der Weg führt auch über Mons en Chaussee und deckt sich somit mit den Angaben in Zehnbauers Karte. Vierzehn Tage nach der der Karte vom 05.07.1916, dies zeigt ein Bild in der Chronik, welches sich auch zweimal im Nachlass Zehnbauers finden lässt (16.12.1916 (07_003) und 12.12.1916 (02_004)), wird das „Lager der Kolonne 2/22 im Bois de Croix“ bezogen.[2]

Dieser Ort stellt seit dem 19. Juli das Lager des gesamten Bataillons, mit Ausnahme der 2. Batterie, dar und wird sukzessive ausgebaut:

„[…] Zunächst schlägt man wieder die Zelte auf und kampiert bei Mutter Grün. Im Laufe der nächsten Wochen aber wird das Lager immer mehr ausgebaut, man schafft Laubhütten und Baracken und hat Gelegenheit und Zeit genug, sich immer gemütlicher einzurichten. Denn unser Bleiben hier sollte noch lange währen! Wenn man auch einen sehr weiten Anmarschweg zu den Batterien hat und zum Tränken der Pferde und zum Waschen hinunter nach Falvy an die Somme reiten muß, so ist man hier in dem Lager — abgesehen von den öfters Besuch machenden feindlichen Fliegern — vorläufig ziemlich unbehelligt und kann bei der eingerichteten Ablösung immer wieder einmal ein oder zwei Tage ausspannen von der nervenzerrüttenden Arbeit an der Front, die Tag und Nacht höchste Anforderungen an alle Batterieangehörigen stellt. 
Denn auch die zweite Julihälfte zeigt ganz den Charakter der ersten schweren Tage in der Sommeschlacht: Tag und Nacht dieselbe zermürbende Trommelei — Artilleriemunition braucht der Gegner nicht zu sparen — immer wieder neue Einzelstöße, die durch unser Sperrfeuer eingedämmt werden und dem Gegner meist nur bescheidenen Geländegewinn bringen. Sperrfeuer und immer wieder Sperrfeuer ist die Losung auch für die nächsten Wochen.[…]“[3]
Somit decken sich die knappen Hinweise in Johann Heinrichs Karten – er spricht von „Verdun 2“ – mit denen der Chronik, die die Situation an der Somme beschreiben. Allein im Monat Juli verschießt das Bataillon 18.964, im August 16.944, im September 23.661, im Oktober 29.496 Schuss[4]. Nach viermonatigen Kämpfen wird das Bataillon, ausgenommen die erste Batterie, abgelöst. Die Bilanz ist verheerend:
„21 Tote, 33 Schwerverletzte und 64 Leichtverwundete hat das Bataillon während der Sommeschlacht zu beklagen! Die Verluste an Pferden und Material sind groß gewesen. Jede Batterie hat wohl 4 Garnituren Geschütze verbraucht. Die bei der Überbeanspruchung des Materials gebrochenen Vorholfedern sind gar nicht zu zählen“.[4]
Die 2. Batterie, also die Einheit Johann Heinrichs, hat in diesen vier Monaten 28.280 Schuss verfeuert, insgesamt verbrauchte das Bataillon 91.565 Granaten.

NL_Zehnbauer_09_004.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Adressat: An Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.B., Wormserstraße 19; Mons an der Somme, 05.07.1916, Liebe gute Frau! Hier ist eine Ansicht von dem Stall vom 2. Beritt. Es ist schade, dass es nicht mein Beritt ist. Wo ich über den Brief hingemacht habe, da steht Otto Rothermel. Da kannst du mal sehen, wie wir damals vor Verdun unsere Ställe gebaut hatten. Jetzt sind wir bei Verdun 2. Da ist auch nicht schön, liegen hier auch im Freien und müssen des Nachts fahren, das passt mir nicht. Die paar Tage Ruhe haben mich schon verwöhnt. Mit herzlichem Gruß und Kuß Dein Dich liebender Mann; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

NL_Zehnbauer_09_004.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Adressat: An Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.B., Wormserstraße 19; Mons an der Somme, 05.07.1916, Liebe gute Frau! Hier ist eine Ansicht von dem Stall vom 2. Beritt. Es ist schade, dass es nicht mein Beritt ist. Wo ich über den Brief hingemacht habe, da steht Otto Rothermel. Da kannst du mal sehen, wie wir damals vor Verdun unsere Ställe gebaut hatten. Jetzt sind wir bei Verdun 2. Da ist auch nicht schön, liegen hier auch im Freien und müssen des Nachts fahren, das passt mir nicht. Die paar Tage Ruhe haben mich schon verwöhnt. Mit herzlichem Gruß und Kuß Dein Dich liebender Mann; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.


"Mons an der Somme" - Standort, der in der Feldpostkarte genannt wird





Links und Literaturhinweise

[1] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 136f.
[2] Filtzinger, Ph. (1933): Bilder 358f.
[3] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 145.
[4] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 172f.


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.


Samstag, 15. Juli 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte Johann Heinrich Zehnbauer, 30.06.1916 (02_003)

Diese Postkarte besticht durch ein sehr schönes Foto, welches neben etlichen Soldaten der Munitionskolonne auch zu großen Teilen eine Protze zeigt. 

Diese trägt an der Seitenwand des Kutschbocks die Aufschrift „W5, Mun. Kol. d. 2. Battr, Fuss-Art. Btl.“ Bedauerlicherweise wird nur ein Name der gezeigten Personen genannt, nämlich der des rechts neben Zehnbauer sitzende Unteroffizier Krauß. Der Leutnant und der Rittmeister werden nur mit Dienstgrad erwähnt. Der Leutnant sitzt ganz außen links, rechts daneben der Rittmeister (Angaben der Positionen in der Draufsicht).

„Feldpostkarte, gelaufen 30.06.1916 K.D. Feldpostexp. der 44. Reserve Division, Absender: Untffz. Zehnbauer M.K. 2. Batterie, Fußartillerie Bataillon 22, 44. Reserve Division, Adressat: Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.d. B / H., Wormserstr. 19
Text: 29. Juni 1916, Liebe Frau & Kinder. Hier eine Ansicht von unserem Waldlager. Habe noch andere Bilder, die werde ich im Anschluß schicken, daß sie nicht kabut gehen. Das ist unser Rittmeister und Leutnant und Untffz. Krauß sitzt neben mir. Sonst noch alles gut. Mit Gruß und Kuß Euer Vater. Gruß an alle Verwandten besonders an Heinrich, Gruß an […]“

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die 44. Reserve Division, zu der auch Johann Heinrichs Einheit gehört, an der Somme[1]. Die Feldpostkarte wurde geschrieben kurz bevor die schweren und verlustreichen an der Somme begannen.

NL_Zehnbauer_02_003.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen 30.06.1916 K.D. Feldpostexp. der 44. Reserve Division, Absender: Untffz. Zehnbauer M.K. 2. Batterie, Fußartillerie Bataillon 22, 44. Reserve Division, Adressat: Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.d. B / H., Wormserstr. 19, Text: 29. Juni 1916,  Liebe Frau & Kinder. Hier eine Ansicht von unserem Waldlager. Habe noch andere Bilder, die werde ich im Anschluß schicken, daß sie nicht kabut gehen. Das ist unser Rittmeister und Leutnant und Untffz. Krauß sitzt neben mir. Sonst noch alles gut. Mit Gruß und Kuß Euer Vater. Gruß an alle Verwandten bes. an Heinrich, Gruß an [...]; Johann Heinrich Zehnbauer: untere Reihe, 2. von rechts, digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

NL_Zehnbauer_02_003_Ausschnitt.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen 30.06.1916 K.D. Feldpostexp. der 44. Reserve Division, Absender: Untffz. Zehnbauer M.K. 2. Batterie, Fußartillerie Bataillon 22, 44. Reserve Division, Adressat: Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.d. B / H., Wormserstr. 19, Text: 29. Juni 1916,  Liebe Frau & Kinder. Hier eine Ansicht von unserem Waldlager. Habe noch andere Bilder, die werde ich im Anschluß schicken, daß sie nicht kabut gehen. Das ist unser Rittmeister und Leutnant und Untffz. Krauß sitzt neben mir. Sonst noch alles gut. Mit Gruß und Kuß Euer Vater. Gruß an alle Verwandten bes. an Heinrich, Gruß an [...]; Johann Heinrich Zehnbauer: untere Reihe, 2. von rechts, digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.



Links und Literaturhinweise

[1] http://wiki-de.genealogy.net/44._Reserve-Division_(WK1) (besucht am 06.04.2017)

© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.


Samstag, 8. Juli 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte: Johann Heinrich Zehnbauer, 25.06.1916 (10_007)

...unser Waldlager von Verdun, wo wir uns 11 Wochen rummachen mußten...

Die Karte vom 25.06.1916 zeigt das Waldlager währen der Kämpfe um Verdun, es kann dies das Waldlager IV bei Brieulles[1] oder das Waldlager im Bois de Sartelle[2] sein, welches sich die Munitionskolonne selbst „fabriziert“ hat. Johann Heinrich Zehnbauer wird die Zeit in Verdun, die vom 4. April 1916 bis zum 2. bzw. 10 Juni 1916 dauerte[3], als Referenz nehmen für die besonders belastenden Phasen im Krieg. So wird er die Zeit an der Somme, vom 2. Juli bis Mitte November 1916[4], in seiner Feldpostkarte vom 05.07.1916 (siehe 09_004)  als "Verdun 2" bezeichnen.

In der Chronik (Filtzinger) heißt es im Stile der damaligen Zeit über die Kämpfe in Verdun:
[...] Die „Hölle von Verdun“ ist los! Die „Moulin de Guerre“ mahlt unbarmherzig vor Verdun! Und in diese Mühle kommen wir nun auch hinein! Und wir mahlen kräftig mit. Acht schwere Wochen lang! Als wir die Mühle verlassen, haben wir 38 648 Granaten aus unseren Rohren geschickt. Ein Geschütz ist durch Volltreffer zerstört, 5 Geschütze sind unbrauchbar geworden, 10 Pferde liegen tot, und wir haben den Verlust von 10 Gefallenen, 12 Schwerverwundeten und 44 Leichtverwundeten zu beklagen. [...]
In Zehnbauers Feldpostkarte heißt es:
„Feldpostkarte gelaufen, 26.06.1916; Absender: Unteroffizier Zehnbauer, Munitionskolonne der 2. Batterie des Fußartillerie Bataillons 22, 44. Reserve Division, Adressat: An Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.d.B. Hessen, Wormserstraße 19; 
Text: 25. Juni1916; Liebe Frau! Hier eine kleine Karte von unserem Waldlager von Verdun wo wir uns 11 Wochen rummachen mußten. Die Hütten haben wir uns selbst fabriziert und mit Dachpappe gedeckt. Otto Rothermel sitzt unten neben mir. Hebe das Bild auf zur Erinnerung. Sonst noch gut. Schreibe mir mal [...] Mit herzlichen Grüßen d.[ein] Johann“
Wie auch in anderen Feldpostkarten (vergleiche Feldpostkarten 14.05.1915 (07_004) und demnächst 05.07.1916 (09_004), 12.12.1916 (02_004), 16.12.1916 (07_003), 25.05.1917 (10_001)) wird Otto Rothermel genannt und ist sogar auf dem Bild zu sehen, wie Johann Heinrich in seiner Karte auch erwähnt.

NL_Zehnbauer_11_007.jpg, Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte gelaufen, 26.06.1916; Absender: Unteroffizier Zehnbauer, Munitionskolonne der 2. Batterie des Fußartillerie Battailon 22, 44. Reserve Division, Adressat: An Frau Johann Heinrich Zehnbauer, Bensheim a.d.B. Hessen, Wormserstraße 19; Text: 25. Juni 1916; Liebe Frau! Hier eine kleine Karte von unserem Waldlager von Verdun wo wir uns 11 Wochen rummachen mußten. Die Hütten haben wir uns selbst fabriziert und mit Dachpappe gedeckt. Otto Rothermel sitzt unten neben mir. Hebe das Bild auf zur Erinnerung. Sonst noch gut. Schreibe mir mal [...] Mit herzlichen Grüßen d.[ein] Johann; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

NL_Zehnbauer_11_007_Ausschnitt.jpg; Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Waldlager der Munitionskolonne der 2. Batterie des Fußartillerie Bataillons Nr. 22 im Juni 1916 bei Verdun, Frankreich, Bildausschnitt aus der Feldpostkarte (26.06.1916) von Johann Heinrich Zehnbauer (1882-1953) aus Bensheim an seine Frau in Bensheim, Johann Heinrich Zehnbauer (2. v.l.) und  Otto Rothermel  (3. v.l.); digitalisiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.


Standort der Munitionskolonne im Juni 1916 - Waldlager bei Brieulles



Links und Literaturhinweise

[1] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 119.
[2] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 122.
[3] für eine ausführliche Darstellung der Ereignisse in Verdun aus der Sicht des Fußartillerie-Bataillon Nr. 22 siehe: Filtzinger, Ph. (1933): Seite 118-131.
[4] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 132 ff.

© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.


Dienstag, 17. Januar 2017

Zur freundlichen Erinnerung an die Kriegsjahre 1914-1916

Moritz Schmitt dürfte manchen Bensheimern vielleicht auch ohne diesen Beitrag bekannt sein, denn er besaß ein Taxiunternehmen und eine Tankstelle bzw. Zapfsäulen auf der Darmstädter Straße. Vermutlich ein Grund warum er beim Train-Ersatzbataillon in Darmstadt einrücken musste.

Die Widmung auf der Rückseite des hier gezeigten Bildes "In freundlicher Erinnerung" lässt sich auch auf anderen Quellen aus der Zeit finden, allerdings stammen diese sehr oft aus Kreisen von Reservisten und aus der Etappe. Ob der Gruß auch bei Frontsoldaten zu finden war, lässt sich nicht sagen.

Auffällig ist hier das von Moritz Schmitt getragene Ordensband des Eisernen Kreuzes. Es ist nicht wie üblich das schwarz-weiße Band sondern das sogenannte Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande oder Eisernes Kreuz für Nichtkombattanten (böse Zungen nannten es auch "Schieberkreuz").

Es wurde für Leistungen verliehen, die nicht im direkten Kampfeinsatz an der Front sondern meist für Leistungen in Bereichen der Rüstungsindustrie oder Logistik erbracht wurden. Aufgrund Schmitts Tätigkeit als Berufskraftfahrer scheint der Bereich Logistik (im weitesten Sinne) am wahrscheinlichsten.

Das Bild stammt aus dem Nachlass Joseph Stolls, der ebenfalls beim Train-Ersatzbataillon Dienst schob und später in Belgien eingesetzt wurde.

BIAB_NLJS_Nebenbau_007.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Moritz Schmitt (1880-1975) aus Bensheim, Aufschrift Rückseite: "Zur freundlichen Erinnerung an die Kriegsjahre 1914/1916 Moritz Schmitt Bensheim 21.09.1916"; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.

Samstag, 31. Dezember 2016

16.12.1916... Wenn Gott will, ist das diesmal die letzte Weihnachten im Krieg....

Vor fast genau 100 Jahren... der Krieg tobt an den Fronten und Soldaten aller Nationen dürften ähnliche Karten und Briefe an die Familien zuhause in der Heimat geschrieben haben. 

Vermutlich dürften ähnliche Wünsche in allen Kriegen und in allen Zeiten die Heimat erreicht haben... die Hoffnung auf Frieden. Aktueller könnte eine Karte gar nicht sein.

Feldpostkarte, gelaufen: 17.12.1916, K.D. Feldpostamt des Gardekorps, S.B. Mun. - Kol. der 2. Battr Fussartl. Batls. Nr. 22, Absender: Untffz. Zehnbauer, M.Kl. 2. Bttr. 1 Btl. Masurisches Fußart. Rgt. 22 2. Armee Westen [...] Batl. 22
16.12.1916, Liebe Frau und Kinder Eine gesegnete Weihnachten wünscht Euch Euer Vater. Wenn Gott will, ist das diesmal die letzte Weihnachten im Krieg. Vielleicht können wir uns dann die nächste Weihnachten mehr freuen. Gruß Rothermel [Anm.: Johann Heinrichs Unterschrift fehlt; vermutlich um Platz für Rothermels Gruß zu lassen]

Die Ansichtskarte zeigt die "Stallungen" der "Munitions-Kolonne, 2. Batterie,  1. Bataillon des Masurischen Fußartillerie Regiments. 22, 2. Armee Westen" in der auch Johann Heinrich Zehnbauer Dienst tat. Aufgabe dieses Beritts war es Munition aus dem rückwärtigen Raum per Pferd an die Front zu bringen.


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2016, Alle Rechte vorbehalten.