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Samstag, 23. Dezember 2017

Bescherabend 1915 - Kriegsfreiwilliger Joseph Stoll schreibt seiner Mutter zu Weihnachten

Joseph Stoll (1879-1956) meldete sich im Jahre 1915 als Kriegsfreiwilliger. Auch wenn der Begriff "Kriegsfreiwilliger" einen vorauseilenden Gehorsam suggeriert, so hat dieser Schritt einen erheblichen Vorteil gegenüber dem normalen Verlauf einer Rekrutierung. Es bestand die Möglichkeit Einfluss auf den Truppenteil zu nehmen, bei dem man zu dienen hatte [1]. In Kombination mit seinem Alter und seinem Hochschulstudium ergab sich so die Möglichkeit bei der Festung Namur eingesetzt zu werden.

Zu Weihnachten 1915 schreibt Joseph Stoll an seine Mutter in Bensheim:
"Feldpostkarte, gelaufen: 25.12.1915, Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation Namur, Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen), Text: Liebe Mama! Seit etwa 3 Tagen bin ich bei der Kaiserlichen Fortifikation. Ich habe daselbst die Pläne für die Befestigungen zu bearbeiten. Es ist sehr interessant und noch schöner als am Gouvernementsgericht. Da ich Zeichner von Beruf bin, hat der Major vom Gouvernement gesagt, könnte ich an der Fortifikation meine Kenntnisse besser anwenden, als am Gericht. Ich sitze mit einem Leutnant zusammen auf dem Büro. Es ist sehr schön und der Leutnant ist ein sehr liebenswürdiger Herr, auch ein studierter Mann. Ich wohne auf der Hauptstraße von Namur bei einem Kaufmann, der gut Deutsch spricht und sehr nett zu mir ist. Du siehst es geht alles sehr gut. Gestern abend am Bescherabend (Fortsetzung nächste Karte)"
"Feldpostkarte, gelaufen: 25.12.1915; Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation Namur, Belgien; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: (Fortsezung) am Bescherabend war eine große Feier bei der ich auch zugegen war. Deine beiden Briefe habe ich erhalten und daraus ersehen, daß es Dir noch gut geht. Schreibe mir noch einmal ausführlich, ob du die kleinen Pakete erhalten hast und ob das große schon angekommen ist mit meiner überflüssigen und schmutzigen Wäsche. Reiling ist Gefreiter geworden. Er war 2 Monate früher Soldat als ich und ich hoffe, es in 2 Monaten auch zu sein! Es ist zwar egal, aber wenn man es werden kann, nimmt man es auch mit. Sonst weiß ich nichts zu berichten. Ich hoffe vielleicht im Januar oder Februar Urlaub zu bekommen. Dann kann ich Dir auch mehr mitteilen. Herzliche Grüße an alle besonder an Fräulein. Dein Joseph" 

BIAB_NLJS_CV_0476; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Postkarte, Feldpost, gelaufen: 25.12.1915; Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation Namur; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: Liebe Mama! Seit etwa 3 Tagen bin ich bei der Kaiserlichen Fortifikation. Ich habe daselbst die Pläne für die Befestigungen zu bearbeiten. Es ist sehr interessant und noch schöner als am Gouvernementsgericht. Da ich Zeichner von Beruf bin, hat der Major vom Gouvernement gesagt, könnte ich an der Fortifikation meine Kenntnisse besser anwenden, als am Gericht. Ich sitze mit einem Leutnant zusammen auf dem Büro. Es ist sehr schön und der Leutnant ist ein sehr liebenswürdiger Herr, auch ein studierter Mann. Ich wohne auf der Hauptstraße von Namur bei einem Kaufmann, der gut Deutsch spricht und sehr nett zu mir ist. Du siehst es geht alles sehr gut. Gestern abend am Bescherabend (Fortsetzung nächste Karte)[Anm.: siehe BIAB_NLJS_CV_0473]; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

BIAB_NLJS_CV_0473; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen: 25.12.1915; Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation Namur, Belgien; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: (Fortsezung, Anm.: siehe BIAB_NLJS_CV_0476) am Bescherabend war eine große Feier bei der ich auch zugegen war. Deine beiden Briefe habe ich erhalten und daraus ersehen, daß es Dir noch gut geht. Schreibe mir noch einmal ausführlich, ob du die kleinen Pakete erhalten hast und ob das große schon angekommen ist mit meiner überflüssigen und schmutzigen Wäsche. Reiling ist Gefreiter geworden. Er war 2 Monate früher Soldat als ich und ich hoffe, es in 2 Monaten auch zu sein! Es ist zwar egal, aber wenn man es werden kann, nimmt man es auch mit. Sonst weiß ich nichts zu berichten. Ich hoffe vielleicht im Januar oder Februar Urlaub zu bekommen. Dann kann ich Dir auch mehr mitteilen. Herzliche Grüße an alle besonder an Fräulein. Dein Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

"...der Leutnant ist ein sehr liebenswürdiger Herr..." - Leutnant Diederici 


Wie in seiner Weihnachtskarte erwähnt, arbeitete Stoll in einer Schreibstube der Festungskommandantur. Sein Vorgesetzter, Leutnant Diederici, schenkte ihm zur Erinnerung an die Zeit in Namur ein Bild, welches ihn "hoch zu Ross" zeigt. Was aus dem Leutnant wurde, ist unbekannt. Es existieren keine weiteren Dokumente.


Dienststelle Joseph Stolls 1915-1918 - Palais provincial de Namur, Belgien



"Ich wohne auf der Hauptstraße von Namur bei einem Kaufmann, der gut Deutsch spricht und sehr nett zu mir ist." - Familie Jamouton aus Namur


Wie in der Postkarte erwähnt, war Joseph Stoll bei der Kaufmannsfamilie Jomouton - Léon, Aurélie Joly und ihre Tochter Simone - untergebracht. Angehörige der Familie wohnen bis heute noch in Namur. 

NLJS_CV_0596; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; NLJS_Dokumente_CV_0596; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Joseph Stoll Joseph Stoll wurde während seiner Dienstzeit in Namur von 1915 bis 1918 bei der Familie Jomouton einquartiert. Léon Jomouton, seine Ehefrau Aurélie Joly und ihre Tochter Simone auf einem Bild, welches im Nachlass Joseph Stolls als Erinnerungsstück vorliegt. Aufschrift Bildrückseite: Familie Jaumouton bei der ich [Anm.: Joseph Stoll] in Namur [...] 3 1/2 Jahre wohnte.; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

Anhand der Karte lässt sich der genaue Wohnort nur grob festlegen. Zum einen ist die Kennzeichnungen nur grob, die Adresse zudem unbekannt, zum anderen liegt dieser Bereich in einer Biegung und die Häuserfront ist kaum einsehbar. Die Wohnung lag somit am Ende der Rue de Marchovelette, Ecke Rue des Echasseurs und Rue de l'Ange.

NLJS_CV_0520; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Postkarte, Feldpost, gelaufen: keine Angaben; Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation, Namur; Postkartenmotiv handschriftlich ergänzt: "in diesem Haus wohne ich"; Wohnort von Joseph Stoll während seiner Dienstzeit (1915-1918) in Namur; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

Lage der Wohnung der Familie Jamouton



Video - Veränderung der Innenstadt Namurs durch Kriegseinwirkungen


Bei der Suche nach dem genauen Wohnort und der Zuordnung von historischen Bildern und Dokumenten half auch dieses Video, welches die Innenstadt - hier der Place d' Armes - in seiner ursprünglichen Form sowie der Phase der Zerstörung und des Wiederaufbaus zeigt.



Links und Literaturhinweise

[1] vergleiche Beitrag bei wikipedia "Deutsches Heer (Deutsches Kaiserreich) https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Heer_(Deutsches_Kaiserreich) (zuletzt besucht am 24.07.2017)
Weitere Bilder und Dokumente aus der Dienstzeit von Joseph Stoll finden Sie unter www.joseph-stoll.de


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2017, Alle Rechte vorbehalten.

Samstag, 7. Oktober 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Johann Heinrich Zehnbauer "Weihnachtsfeier", 24.12.1917 (05_001)

Die Weihnachtsfeier, die laut Aufschrift „Zum Andenken an die Weihnachtsfeier in Hinacourt 1917“ in Hinacourt, Frankreich, zeigt Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften bei einer anscheinend in den Abendstunden stattfindenden Zusammenkunft. Dies erklärt die Lichtspuren, die durch Kerzen oder Wunderkerzen hervorgerufen sein müssen. 

Schulterklappe des Masurischen Fußartillerie Regiments No. 22
Ein interessantes Detail ist einer der Mannschaften am unteren Bildrand. Er trägt die Schulterklappen des Fußartillerie Regiments Nr. 22.

Es lassen sich zwei gekreuzte einflammige große Langgranaten und die Zahl „22“ ausmachen.

Trotz Probleme bei der Transkription des rückwertigen Textes, deckt sich der „gelesene“ Ort mit den Angaben in der Chronik, allerdings passt die Jahreszahl nicht zum Ort, d.h. dass die Batterie Weihnachten 1916 in Hinacourt[1] verweilte, Weihnachten 1917 allerdings im Raum Moereveld[2]. Somit stimmt entweder der Ort oder die Zeitangabe auf der Rückseite des Bildes nicht.

Da die Chronik aber insbesondere auf die Weihnachtsfeier 1917 hinweist:

"Am 24. Dezember findet in den Batterien und Kolonnen eine einfache Weihnachtsfeier statt. In dem größten Raum der Mannschaftsunterkunft werden geschmückte Weihnachtsbäume aufgestellt, und nach kurzer Ansprache der Batterie- und Kolonnenführer bleiben Offiziere und Mannschaften bei einigen Gläsern guten deutschen Bieres bis in die späten Abendstunden zusammen. Die Kampftätigkeit ist durch das Weihnachtsfest nicht beeinflußt, Artilleriebekämpfung findet statt und Beunruhigungsfeuer wird geschossen wie sonst.[3]"
scheint die Weihnachtsfeier in Belgien im Jahre 1917 am wahrscheinlichsten. 

NL_Zehnbauer_05_001b.jpg, Nachlass Zehnbauer, Bensheim; Aufschrift auf Rückseite: "Andenken an die Weihnachtsfeier 1917 in Hinacourt", Johann Heinrich Zehnbauer: 2. oben links. Bei dieser Karte scheint eine Verwechslung vorzuliegen, denn die 2. Batterie, I. Bataillon des Masurischen Fußartillerie Regiments 22 lag im Dezember 1916 in Hinacourt, Frankreich, das Weihnachsfest im Dezember 1917 fand im Raum Moereveld, Belgien statt; digitalisiert: Frank-Egon Stoll-Berberich ©

Standort der Weihnachtsfeier 1917



Auf der Bildrückseite genannter Ort der Weihnachtsfeier




Links und Literaturhinweise

[1] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 173.
[2] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 256.
[3] Filtzinger, Ph. (1933): Seite 260f.

Radiobeitrag: Das Kalenderblatt (BR 2), Weihnachtsfrieden 1914.


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Samstag, 1. Juli 2017

Die Gebrüder Zehnbauer - Feldpostkarte Johann Joseph Zehnbauer, 18.12.1915 (11_006)

Weihnachten 1915: ...Für die Weihnachtsfeier werden schon Vorbereitungen getroffen... hoffentlich lassen uns die Russen in Ruhe...

Der Unteroffizier Johann Joseph Zehnbauer ist, wie zwei seiner Brüder Johann Heinrich und Peter, ebenfalls im Krieg und schreibt eine Feldpostkarte an die Familie des Bruders in Bensheim, dem Metzgermeister Johann Adam Zehnbauer.

Johann Joseph ist noch vor kurzem in Bensheim gewesen und die Rückkehr an die Front, die 76. Reserve Division befindet sich zu diesem Zeitpunkt in Stellungskämpfen vor Riga[1], fällt ihm schwer. Die Weihnachtsfeiertage fernab der Heimat dürften schon bedrückend gewesen sein, die Tatsache, dass die gegnerischen Truppen ihr Weihnachtsfest erst 2 Wochen später feiern werden[2], bereitet ihm zusätzliche Sorgen. Er schreibt:

Feldpostkarte, gelaufen 24.12.1915; Stempel: Stab 76. Reserve Infanterie Division; Absender: Unteroffizier Zehnbauer beim Stab der 76. Reserve Division; Adressat: Johann Adam Zehnbauer, Bensheim an der Bergstraße, Hessen;
"18.12.1915; Lieber Bruder und Schwägerin! Viele herzliche Grüße und Glücks- und Segenswünsche für die bevorstehenden Feiertage sende ich Euch aus dem Felde. So Gott will wird das neue Jahr besser als das jetzt bald vergangene. Aus meinem Urlaub bin ich gut angekommen und habe mich auch wieder gut eingewöhnt. Leicht ist der Abschied aus der Heimat nicht. Bis jetzt geht es ja Gott sei Dank noch gut. Hoffentlich bleiben wir längere Zeit hier in unserer jetzigen Stallung. Für die Weihnachtsfeier werden schon alle Vorbereitungen getroffen. Hoffentlich lassen uns die Russen während der Zeit in Ruhe denn die feiern Weihnachten erst 13 Tage später. Sonst gibt es nichts Neues. Grüßet alle Verwandten und Bekannten und [...] herzliche Grüße an Euch Alle von Eurem Joseph"

NL_Zehnbauer_006.jpg; Johann Joseph Zehnbauer, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen 24.12.1915; Stempel: Stab 76. Reserve Infanterie Division; Absender: Unteroffizier Zehnbauer beim Stab der 76. Reserve Division; Adressat: Johann Adam Zehnbauer, Bensheim an der Bergstraße, Hessen;18.12.1915; Lieber Bruder und Schwägerin! Viele herzliche Grüße und Glücks- und Segenswünsche für die bevorstehenden Feiertage sende ich Euch aus dem Felde. So Gott will wird das neue Jahr besser als das jetzt bald vergangene. Aus meinem Urlaub bin ich gut angekommen und habe mich auch wieder gut eingewöhnt. Leicht ist der Abschied aus der Heimat nicht. Bis jetzt geht es ja Gott sei Dank noch gut. Hoffentlich bleiben wir längere Zeit hier in unserer jetzigen Stallung. Für die Weihnachtsfeier werden schon alle Vorbereitungen getroffen. Hoffentlich lassen uns die Russen während der Zeit in Ruhe denn die feiern Weihnachten erst 13 Tage später. Sonst gibt es nichts Neues. Grüßet alle Verwandten und Bekannten und [...] herzliche Grüße an Euch Alle von Eurem Joseph; digitalisiert und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017




Links und Literaturhinweise


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Samstag, 31. Dezember 2016

16.12.1916... Wenn Gott will, ist das diesmal die letzte Weihnachten im Krieg....

Vor fast genau 100 Jahren... der Krieg tobt an den Fronten und Soldaten aller Nationen dürften ähnliche Karten und Briefe an die Familien zuhause in der Heimat geschrieben haben. 

Vermutlich dürften ähnliche Wünsche in allen Kriegen und in allen Zeiten die Heimat erreicht haben... die Hoffnung auf Frieden. Aktueller könnte eine Karte gar nicht sein.

Feldpostkarte, gelaufen: 17.12.1916, K.D. Feldpostamt des Gardekorps, S.B. Mun. - Kol. der 2. Battr Fussartl. Batls. Nr. 22, Absender: Untffz. Zehnbauer, M.Kl. 2. Bttr. 1 Btl. Masurisches Fußart. Rgt. 22 2. Armee Westen [...] Batl. 22
16.12.1916, Liebe Frau und Kinder Eine gesegnete Weihnachten wünscht Euch Euer Vater. Wenn Gott will, ist das diesmal die letzte Weihnachten im Krieg. Vielleicht können wir uns dann die nächste Weihnachten mehr freuen. Gruß Rothermel [Anm.: Johann Heinrichs Unterschrift fehlt; vermutlich um Platz für Rothermels Gruß zu lassen]

Die Ansichtskarte zeigt die "Stallungen" der "Munitions-Kolonne, 2. Batterie,  1. Bataillon des Masurischen Fußartillerie Regiments. 22, 2. Armee Westen" in der auch Johann Heinrich Zehnbauer Dienst tat. Aufgabe dieses Beritts war es Munition aus dem rückwärtigen Raum per Pferd an die Front zu bringen.


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