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Mittwoch, 31. August 2022

Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 11.11.1915

 
Eine weitere Ansichtskarte aus Namur, welche den Grand Place zeigt, der nach den zwei Weltkriegen, die Belgien heimgesucht haben, so nicht mehr existiert. Diese Postkarte zeigt ein weiteres Mal, wie "entspannt" die Tätigkeit in der Etappe gewesen sein muss, denn Joseph Stoll erkundigt sich ein erneut, ob die vielen Päckchen und Schreiben alle angekommen sind. 

Interessant ist seine Aussage: "...habe die Bergstraße erhalten...", denn es handelt sich um sein aufwendiges Werk, die Bergstraße als Zeichnung und ausklappbaren Prospekt zu veröffentlichen. Dies geschieht, wie viele seiner Projekte, in einer Darmstädter Druckerei. Das Ergebnis ist in der Tat sehenswert, nun aber erst einmal zum Inhalt der Karte:

"Liebe Mama. Die Bergstraße nebst Brief habe ich heute erhalten. Besten Dank. Es ist alles gut. Gestern habe ich geschrieben. Ich habe von Frau Teigel, Herrn Eller und heute von Wilhelm ein Paket bekommen. Hast du den Brief mit dem Briefe d. Herrn Eisenhardt bekommen? Wenn ja, so schreibe sofort. Viele hzl. Grüße Dein Joseph.  Lb. Grüße an Fräulein [Kierbauer]."

NLJS_Dokumente_CV_0464.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim Ansichtskarte, Verlag: Grands Magasins de la Station, Namur; Feldpost, gelaufen 11.11.1915;Absender: Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: Liebe Mama. Die Bergstraße nebst Brief habe ich heute erhalten. Besten Dank. Es ist alles gut. Gestern habe ich geschrieben. Ich habe von Frau Teigel, Herrn Eller und heute von Wilhelm ein Paket bekommen. Hast du den Brief mit dem Briefe d. Herrn Eisenhardt bekommen? Wenn ja, so schreibe sofort. Viele hzl. Grüße Dein Joseph.  Lb. Grüße an Fräulein [Kierbauer].

Der Prospekt wurde bereits 1911 verlegt, scheint aber für Joseph Stoll in Namur wichtig gewesen zu sein. Entweder sollte er aktualisiert werden, oder er benötigte ihn als Referenz für seine demnächst in Namur geplanten Projekte.

Titelseite des Werbeprospekts "Die Bergstraße" von 1911
Titelseite des Werbeprospekts "Die Bergstraße" von 1911

DOWNLOAD - PDF: Die Bergstraße, Werbeprospekt von 1911 von Joseph Stoll, Bensheim.

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Dienstag, 12. April 2022

Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 10.11.1915

 

Während ein paar Kilometer weiter die Hölle tobt, der Krieg seine häßliche Fratze zeigt, erweist sich die Etappe mal wieder als völlig andere Welt. Joseph Stoll hat bei seinem Posten als Gerichtsschreiber, später wird er bei der Festungsverwaltung eingesetzt, ausreichend viel Zeit, um seiner Mutter regelmäßig und viel zu schreiben. Er kann sogar seine Arbeiten für sein heimisches Atelier als Werbegrafiker und Architekt koordinieren. So steht er in Verbindung mit einer Druckerei, die seine Aufträge umsetzt und er kann Geld empfangen... In der Etappe hätte man eingesetzt sein müssen!

Soeben höre ich von Reiling, daß du seit 24 Oktober noch keinen Brief bekommen hast. Ich habe während der Zeit schon einige Briefe und Karten geschrieben. Gestern habe ich einen Brief geschickt mit dem Briefe von Herrn Eisenhardt. Schreibe sofort ob du ihn erhalten hast. Die Broschüre Hofmann brauchst du nicht zu suchen, sie ist in Darmstadt. Ich habe Herrn Prof. Hofmann um eine andere gebeten. Sonst alles sehr gut. Hzl. Grüße Dein Joseph. Geld bekommen.

NLJS_Dokumente_CV_0465.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskartekarte, Verlag: Grands Magasins de la Station, Namur; Feldpost, gelaufen 10.11.1915; Absender: Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: Soeben höre ich von Reiling, daß du seit 24 Oktober noch keinen Brief bekommen hast. Ich habe während der Zeit schon einige Briefe und Karten geschrieben. Gestern habe ich einen Brief geschickt mit dem Briefe von Herrn Eisenhardt. Schreibe sofort ob du ihn erhalten hast. Die Broschüre Hofmann brauchst du nicht zu suchen, sie ist in Darmstadt. Ich habe Herrn Prof. Hofmann um eine andere gebeten. Sonst alles sehr gut. Hzl. Grüße Dein Joseph. Geld bekommen; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Donnerstag, 30. Dezember 2021

Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 07.11.1915

 

 So langsam füllen sich die Feldpostkarten mit "wichtigen" Inhalten. Dass Joseph Stoll in der Etappe nur wenig vom Treiben an der Front zu erzählen aht und sogar Zeit findet sich touristisch fortzubilden, ist in Anbetracht des Gesundheitsszustandes seiner Mutter von Vorteil. Obwohl die Karten mehr als 100 Jahre alt sind, scheinen sich die Probleme zu wiederholen. Die Mutter in Bensheim braucht Hilfe im Haushalt, im Alltag, ihr Gesundheitszustand ist schlecht. 

Doch wer soll sie pflegen und versorgen? Fernab der Heimat fällt es schwer, geeignete Personen zu finden, die vertrauenswürdig sind. Hier scheinen weitere Briefe zu folgen, die leider nicht mehr existieren.

"Gestern habe ich einen Brief von Herrn Eisenhardt bekommen, worin er mir mitteilt, daß ich von der Schule pro Monat 30 Mark bekommen soll. Ebenso sollst Du 12 Mark pro Monat empfangen aus der [...]kasse. Dann sagte er, in der Ausschußsitzung sei darüber gesprochen worden, daß du eine rote Kreuzschwester ins Haus bekämest, die Nachts im Hause schlafen soll. Mit allem bin ich einverstanden, aber mit letzterem nicht. Spreche mit Fräulein [Kirbaum] wenn sie dableiben möge wie seither, dann könne niemand anderes zu dir! So ist es mir lieber. Wenn sie allerdings nicht dableiben kann, bis ich zurück bin, dann ist es eine andere Sache. Ich werde noch ausführlicher schreiben. Das Geld habe ich erhalten und schon Karte geschrieben. Viele Grüße an Fräulein Nierbauer und Mutter sowie an Frau Geheimrat, wenn sie zu dir kommt. Heute bin ich in Lüttich auf Urlaub. Viele Grüße Joseph"


NLJS_Dokumente_CV_0463.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte; Verlag: Emile Durmont, éditeur, Liege; Feldpost, gelaufen 07.11.1915 Absender: Joseph Stoll, Fahrer, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen) Text: Gestern habe ich einen Brief von Herrn Eisenhardt bekommen, worin er mir mitteilt, daß ich von der Schule pro Monat 30 Mark bekommen soll. Ebenso sollst Du 12 Mark pro Monat empfangen aus der [...]kasse. Dann sagte er, in der Ausschußsitzung sei darüber gesprochen worden, daß du eine rote Kreuzschwester ins Haus bekämest, die Nachts im Hause schlafen soll. Mit allem bin ich einverstanden, aber mit letzterem nicht. Spreche mit Fräulein [Kirbaum] wenn sie dableiben möge wie seither, dann könne niemand anderes zu dir! So ist es mir lieber. Wenn sie allerdings nicht dableiben kann, bis ich zurück bin, dann ist es eine andere Sache. Ich werde noch ausführlicher schreiben. Das Geld habe ich erhalten und schon Karte geschrieben. Viele Grüße an Fräulein Nierbauer und Mutter sowie an Frau Geheimrat, wenn sie zu dir kommt. Heute bin ich in Lüttich auf Urlaub. Viele Grüße Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 28.10.1915

 

 Das Ansichtskartenmotiv zeigt die Häuserzeile kurz vor der Mündung der Sambre in die Maas, direkt unter der Zitadelle. Diese Ansicht gibt es heute so nicht mehr. Der Inhalt der Karte ist... schön für die Mama!

NLJS_Dokumente_CV_0461.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte, Feldpost, gelaufen 28.10.1915; Absender: Fahrer Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur, (Belgien); Adressat:Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB (Hessen); Text: Liebe Mama! Hzl. Grüße von hier! Es geht auch sehr gut. Es gefällt mir ebenfalls noch gut. Hoffentlich ist es auch so bei Dir. Demnächst werde ich wieder einmal schreiben. Sei hzl. gegrüßt von mir. Viele Grüße an alle Bekannte. Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 26.10.1915

Diese Ansichtskarte - trotz der schlechten Qualität - stellt eine Besonderheit dar, denn kurz nach seiner Ankunft und Einsatz bei der Festungsverwaltung von Namur weiß Joseph Stoll nocht nicht, dass er später über das hier gezeigte Ehrenmal einen Aufsatz in dem Werk "Namur -  Vor und im Weltkrieg" verfassen wird und für die Pflege und Verwaltung der Anlage verantwortlich sein wird.

In der Karte berichtet er seiner Mutter von dem Besuch des Friedhofs in Namur-Belgrade und wie er das Grab eines Bekannten von der Bergstraße aufgesucht hat.

Von einem Ausflug nach Belgrade hzl. Grüße. Habe heute das Grab des Sohnes vom Schloßhauptmann Baur Betaz [Anm.: Baur de Betatz] Schönberg besucht. Sonst nichts neues zu berichten. Hoffentlich geht es euch gut. Hast du die Hose und Mütze abgeschickt? Hzl. Grüße Joseph, Sonntag 24. Oktober 1915.
NLJS_CV_0459.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte, Feldpostkarte, gelaufen: 26.10.1915; Absender: Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur, Belgien; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll Hochwolgeb., Bensheim adB, Hessen. Text: Von einem Ausflug nach Belgrade hzl. Grüße. Habe heute das Grab des Sohnes vom Schloßhauptmann Baur Betaz [Anm.: Baur de Betatz] Schönberg besucht. Sonst nichts neues zu berichten. Hoffentlich geht es euch gut. Hast du die Hose und Mütze abgeschickt? Hzl. Grüße Joseph, Sonntag 24. Oktober 1915.

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Mittwoch, 29. Dezember 2021

Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 15.10.1915

 

Ob dienstlich oder privat... Joseph Stoll ist kurz nach seiner Ankunft in Belgien bereits in Brüssel und wieder ist es eine Ansichtskarte, die eine Kirche zeigt. Die Kathedrale St. Michael und St. Gudula in Brüssel. Die Faszination für die Stadt überwiegt und somit leidet der Text der Anischtskarte... Knapper geht es kaum noch:

Von Brüssel herzl[iche] Grüße. Brief erhalten. Sehr gefreut. Joseph

NLJS_Dokumente_CV_0457; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte gelaufen, Feldpost 15.10.1915; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Hessen; Absender: Fahrer Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur über Cöln-Deutz, Text: Von Brüssel herzl[iche] Grüße. Brief erhalten. Sehr gefreut. Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 08.10.1915

 

Wie bereits auf der ersten Ansichtskarte an seine Mutter teilt Joseph Stoll dieser nur mit, wie er erreichbar sein wird und zudem, dass sie ihm - ihre Fürsorge muss erdrückend gewesen sein - nichts schicken möge.

Ein weiteres Mal handelt es sich um ein Motiv aus seiner "neuen" Heimat, nämlich dem wunderschönen Namur. Die meisten Ansichtskarten stammen aus kleinen Heftchen, die viele Ansichtskarten beinhalten und die - da perforiert - leicht entnommen werden können.

Feldpost 08.10.1915; Adressat: An Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Hessen; Absender: Fahrer Jos. Stoll, Namur, Festungsfuhrparkkolonne I, Text: Alles vorzüglich. Nichts schicken, nur schreiben, denn bis jetzt (8. Oktober) habe ich noch keine Zeile bekommen. Adr. Jos. Stoll, Namur über Cöln-Deutz, Festungsfuhrparkkolonne I.

NLJS_Dokumente_CV_0455; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte gelaufen, Verlag: Librairie Roman, 43 rue de Fer, Namur, Feldpost 08.10.1915; Adressat: An Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Hessen; Absender: Fahrer Jos. Stoll, Namur, Festungsfuhrparkkolonne I, Text: Alles vorzüglich. Nichts schicken, nur schreiben, denn bis jetzt (8. Oktober) habe ich noch keine Zeile bekommen. Adr. Jos. Stoll, Namur über Cöln-Deutz, Festungsfuhrparkkolonne I.; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 05.10.1915

 

 

Es geht Schlag auf Schlag - Joseph Stoll hält seine Mutter ständig auf dem Laufenden und teilt ihr mit, wo er gerade ist, wie sie ihn erreichen kann und was sie zu tun und zu lassen hat. Wieder greift er auf ein beliebtes Motiv aus dem Ansichtskartenheftchen zurück und zeigt dieses Mal die Kathedrale von Namur.

Es geht sehr gut, schicket nichts hier kann man alles haben und ich habe schon zuviel. Ich muß von dem, was ich habe viel wegwerfen, da es zu viel und überflüssig ist. Wahrscheinlich kommen wir etwas weiter, ich freue mich schon darauf. Hzl. Grüße an Frl. [Kierblum] und Dich, Dein Joseph

 

NLJS_Dokumente_CV_0458; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte gelaufen, Verlag: Librairie Roman, 43 rue de Fer, Namur, Feldpost 05.10.1915; Adressat: An Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Hessen, Darmstädterstr 50; Absender: Kriegsfreiw. Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur über Cöln-Deutz, Text: Es geht sehr gut, schicket nichts hier kann man alles haben und ich habe schon zuviel. Ich muß von dem, was ich habe viel wegwerfen, da es zu viel und überflüssig ist. Wahrscheinlich kommen wir etwas weiter, ich freue mich schon darauf. Hzl. Grüße an Frl. [Kierblum] und Dich, Dein Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.


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Dienstag, 28. Dezember 2021

Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 04.10.1915

Liebe Mama... So begannen viele der von Joseph Stoll an seine Mutter gerichteten Postkarten und der Inhalt war zum Großteil rein privat. Der Mutter - bereits hoch betagt - ging es gesundheitlich schlecht und so "kümmerte" sich der als Kriegsfreiwilliger in Namur eingesetzte Sohn durch intensiven Schriftverkehr um seine Mutter. Viele Feldpostkarten zeigen Motive der belgischen Provinzhauptstadt Namur sowie deren Umgebung und der Inhalt beschreibt die alltäglichen Sorgen und Nöte des 36jährigen Sohnes. Er bittet die Mutter um notwendige Kleidung oder Lebensmittel, bittet sie um Abwicklung der notwendigen Einkommenssteuer, belehrt sie über die hohen Preise für Lebensmittel in Deutschland und um Zusendungen von Arbeitsaufträgen, die er als Betreiber eines kleinen Grafikateliers in Bensheim noch erhält. Tragisch wird es, als er ihr noch Feldpostkarten schreibt und ihr Anweisungen gibt, wie sie sich schonen und gesund halten soll und sie zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben ist... Die Schicksale der damaligen Zeit.


Feldpost 04.10.1915; Adressat: An Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Darmstädter Str. 50; Absender: Trainfahrer Jos. Stoll, Namur, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur, Text: Heute morgen hier in Namur angekommen. Ich habe ein sehr schönes Quartier bekommen. Meine Adresse ist bis auf weiteres: Trainfahrer Jos. Stoll, Festungsfuhrparkkolonne No. 1, Namur, über Cöln-Deutz. Hoffes alles noch in Ordnung zu wissen. Frl. Grüße an Alle besonders an Dich und Frl. Kirbauer. Dein Joseph

Adressat: An Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Darmstädter Str. 50; Absender: Trainfahrer Jos. Stoll, Namur, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur, Text: Heute morgen hier in Namur angekommen. Ich habe ein sehr schönes Quartier bekommen. Meine Adresse ist bis auf weiteres: Trainfahrer Jos. Stoll, Festungsfuhrparkkolonne No. 1, Namur, über Cöln-Deutz. Hoffes alles noch in Ordnung zu wissen. Frl. Grüße an Alle besonders an Dich und Frl. Kirbauer. Dein Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Freitag, 26. Oktober 2018

Medaille für die Goldsammlung 1916 - "Gold gab ich zur Wehr - Eisen nahm ich zur Ehr"

Zu der hier bereits gezeigten Urkunde über die Goldsammlung im Werte von 16,50 Mark gibt es auch noch eine Medaille aus - wie könnte es anders sein - Eisen.

Auch wenn die meisten Medaillen immer im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg gesehen werden, so liegt der Ursprung der Idee über Material- und Geldspenden für Kriegszwecke im Jahre 1813.
Es war Prinzessin Marianne von Preußen, die im Rahmen der Befreiungskriege preußische Frauen zur Abgabe ihres Schmucks aufforderte und so einen Aufruf Rudolph Werkmeisters in der Spenerschen Zeitung unterstützte. So sollte der Kampf gegen die napoleonische Besetzung Preußens unterstützt werden.1

Die Medaille der "Sammlung von Goldschmuck 1916", die hier gezeigt wird, besteht aus zwei Teilen: Einer geprägten Front aus dünnem Blech, die über den rückwärtigen Teil der Medaille gestülpt ist und mit umgebogenen Laschen die zweiteilige Medaille zu einer Einheit verbindet. Der rückwärtige Teil wurde mit einer Broschennadel und Öse versehen. Der vordere Teil zeigt eine Frau, die kniend ihren Goldschmuck reicht, begleitet von den Worten "IN EISERNER ZEIT", die Rückseite trägt die Worte "GOLD GAB ICH ZUR WEHR - EISEN NAHM ICH ZUR EHR", darunter Eichenlaub und der Namen des Künstlers "Hosaeus". Der Durchmesser beträgt 41mm, die Tiefe 4mm.

Die Medaille der "Sammlung von Goldschmuck 1916", die hier gezeigt wird, besteht aus zwei Teilen: Einer geprägten Front aus dünnem Blech, die über den rückwärtigen Teil der Medaille gestülpt ist und mit umgebogenen Laschen die zweiteilige Medaille zu einer Einheit verbindet. Der rückwärtige Teil wurde mit einer Broschennadel und Öse versehen. Der vordere Teil zeigt eine Frau, die kniend ihren Goldschmuck reicht, begleitet von den Worten "IN EISERNER ZEIT", die Rückseite trägt die Worte "GOLD GAB ICH ZUR WEHR - EISEN NAHM ICH ZUR EHR", darunter Eichenlaub und der Namen des Künstlers "Hosaeus". Der Durchmesser beträgt 41mm, die Tiefe 4mm.


Links und Literaturhinweise


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Montag, 10. September 2018

"Gold gab ich für Eisen" - Urkunde über eine Goldspende anlässlich der Goldsammlung 1916.

Der Krieg hielt auch 1916 weiterhin an und nicht nur die Lage an der Front verschärfte sich, sondern auch die Haushaltslage der europäischen Kriegskassen. In ganz Europa, selbst in den USA, wurden auf verschiedene Art und Weise Rohstoffe eingesammelt, Geldspenden erbeten und Edelmetalle in Devisen getauscht, um die unaufhaltsam steigenden Kosten bei sich gleichzeitig verschärfender Rohstoffversorgung sicherzustellen.

Unaufhaltsam wurde im wahrsten Sinne des Wortes "das Tafelsilber verscherbelt". Waren es zu Beginn noch reine Kriegsanleihen, so machte man nun auch vor Kirchenglocken, Orgelpfeifen und Eheringen nicht mehr Halt.


Die hier gezeigte Urkunde über 16,50 Mark abgelieferten Goldes ist ein Beleg für den verzweifelten Versuch, den Krieg am Laufen zu halten. Was aber waren 16,50 Mark zur damaligen Zeit wert? Was konnte sich der Spender für diesen "vergüteten" Betrag kaufen.

Vielleicht macht man dies am besten an alltäglichen Gütern fest, dem Brot zum Beispiel. Im Jahre 1916, dem Zeitpunkt der Goldspende, hätte man 100 kg Weizenmehl  - jetzt kommen regionale Unterschiede zum Tragen - für 34,75 Mark in Eilenburg / Sachsen kaufen können oder für die gleiche Menge 50 Mark in Bayreuth / Bayern gezahlt. Das Brot als Bezugsgröße hätte in Frankfurt am Main 40 Pfennige für ein Kilogramm gekostet, wären also 41 Laib Brot gewesen.1

Was genau der edle Spender eingereicht hat, ist leider nicht klar, aber zumindest ist er eine Zeit lang satt geworden. War er der Einzige? Wohl kaum, denn sein Beitrag war, gemessen an der Gesamtsumme, bescheiden.

Die Werte der verschiedenen "Gelddruckaktionen" und deren Absicherung durch Kriegsanleihen kann man im Detail nachvollziehen. Im Jahre 1916 wurden durch zwei Kriegsanleihen - es waren während des Krieges insgesamt neun Kriegsanleihen - 21.365.000.000 Mark erzielt, allerdings 23.154.000.000 Mark als Schatzanweisungen in Umlauf gebracht2.... Richtig! Der Volksmund spricht von "Miesen"!



Links und Literaturhinweise

1) Brot- und Mehlpreise 1916, Quelle: Bergische Arbeiterstimme 29. Juni 1916: Mehl- und Brotpreise in deutschen Städten, entnommen der Homepage "1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch" https://archivewk1.hypotheses.org/27632

siehe auch: Goldsammlung Petrinum - Schüler überwiesen im Kriegsjahr 1915 bereits 56.840 Goldmark, auf http://www.dorsten-lexikon.de/goldsammlung-petrinum/

© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2018, Alle Rechte vorbehalten.

Samstag, 23. Dezember 2017

Bescherabend 1915 - Kriegsfreiwilliger Joseph Stoll schreibt seiner Mutter zu Weihnachten

Joseph Stoll (1879-1956) meldete sich im Jahre 1915 als Kriegsfreiwilliger. Auch wenn der Begriff "Kriegsfreiwilliger" einen vorauseilenden Gehorsam suggeriert, so hat dieser Schritt einen erheblichen Vorteil gegenüber dem normalen Verlauf einer Rekrutierung. Es bestand die Möglichkeit Einfluss auf den Truppenteil zu nehmen, bei dem man zu dienen hatte [1]. In Kombination mit seinem Alter und seinem Hochschulstudium ergab sich so die Möglichkeit bei der Festung Namur eingesetzt zu werden.

Zu Weihnachten 1915 schreibt Joseph Stoll an seine Mutter in Bensheim:
"Feldpostkarte, gelaufen: 25.12.1915, Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation Namur, Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen), Text: Liebe Mama! Seit etwa 3 Tagen bin ich bei der Kaiserlichen Fortifikation. Ich habe daselbst die Pläne für die Befestigungen zu bearbeiten. Es ist sehr interessant und noch schöner als am Gouvernementsgericht. Da ich Zeichner von Beruf bin, hat der Major vom Gouvernement gesagt, könnte ich an der Fortifikation meine Kenntnisse besser anwenden, als am Gericht. Ich sitze mit einem Leutnant zusammen auf dem Büro. Es ist sehr schön und der Leutnant ist ein sehr liebenswürdiger Herr, auch ein studierter Mann. Ich wohne auf der Hauptstraße von Namur bei einem Kaufmann, der gut Deutsch spricht und sehr nett zu mir ist. Du siehst es geht alles sehr gut. Gestern abend am Bescherabend (Fortsetzung nächste Karte)"
"Feldpostkarte, gelaufen: 25.12.1915; Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation Namur, Belgien; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: (Fortsezung) am Bescherabend war eine große Feier bei der ich auch zugegen war. Deine beiden Briefe habe ich erhalten und daraus ersehen, daß es Dir noch gut geht. Schreibe mir noch einmal ausführlich, ob du die kleinen Pakete erhalten hast und ob das große schon angekommen ist mit meiner überflüssigen und schmutzigen Wäsche. Reiling ist Gefreiter geworden. Er war 2 Monate früher Soldat als ich und ich hoffe, es in 2 Monaten auch zu sein! Es ist zwar egal, aber wenn man es werden kann, nimmt man es auch mit. Sonst weiß ich nichts zu berichten. Ich hoffe vielleicht im Januar oder Februar Urlaub zu bekommen. Dann kann ich Dir auch mehr mitteilen. Herzliche Grüße an alle besonder an Fräulein. Dein Joseph" 

BIAB_NLJS_CV_0476; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Postkarte, Feldpost, gelaufen: 25.12.1915; Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation Namur; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: Liebe Mama! Seit etwa 3 Tagen bin ich bei der Kaiserlichen Fortifikation. Ich habe daselbst die Pläne für die Befestigungen zu bearbeiten. Es ist sehr interessant und noch schöner als am Gouvernementsgericht. Da ich Zeichner von Beruf bin, hat der Major vom Gouvernement gesagt, könnte ich an der Fortifikation meine Kenntnisse besser anwenden, als am Gericht. Ich sitze mit einem Leutnant zusammen auf dem Büro. Es ist sehr schön und der Leutnant ist ein sehr liebenswürdiger Herr, auch ein studierter Mann. Ich wohne auf der Hauptstraße von Namur bei einem Kaufmann, der gut Deutsch spricht und sehr nett zu mir ist. Du siehst es geht alles sehr gut. Gestern abend am Bescherabend (Fortsetzung nächste Karte)[Anm.: siehe BIAB_NLJS_CV_0473]; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

BIAB_NLJS_CV_0473; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Feldpostkarte, gelaufen: 25.12.1915; Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation Namur, Belgien; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: (Fortsezung, Anm.: siehe BIAB_NLJS_CV_0476) am Bescherabend war eine große Feier bei der ich auch zugegen war. Deine beiden Briefe habe ich erhalten und daraus ersehen, daß es Dir noch gut geht. Schreibe mir noch einmal ausführlich, ob du die kleinen Pakete erhalten hast und ob das große schon angekommen ist mit meiner überflüssigen und schmutzigen Wäsche. Reiling ist Gefreiter geworden. Er war 2 Monate früher Soldat als ich und ich hoffe, es in 2 Monaten auch zu sein! Es ist zwar egal, aber wenn man es werden kann, nimmt man es auch mit. Sonst weiß ich nichts zu berichten. Ich hoffe vielleicht im Januar oder Februar Urlaub zu bekommen. Dann kann ich Dir auch mehr mitteilen. Herzliche Grüße an alle besonder an Fräulein. Dein Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

"...der Leutnant ist ein sehr liebenswürdiger Herr..." - Leutnant Diederici 


Wie in seiner Weihnachtskarte erwähnt, arbeitete Stoll in einer Schreibstube der Festungskommandantur. Sein Vorgesetzter, Leutnant Diederici, schenkte ihm zur Erinnerung an die Zeit in Namur ein Bild, welches ihn "hoch zu Ross" zeigt. Was aus dem Leutnant wurde, ist unbekannt. Es existieren keine weiteren Dokumente.


Dienststelle Joseph Stolls 1915-1918 - Palais provincial de Namur, Belgien



"Ich wohne auf der Hauptstraße von Namur bei einem Kaufmann, der gut Deutsch spricht und sehr nett zu mir ist." - Familie Jamouton aus Namur


Wie in der Postkarte erwähnt, war Joseph Stoll bei der Kaufmannsfamilie Jomouton - Léon, Aurélie Joly und ihre Tochter Simone - untergebracht. Angehörige der Familie wohnen bis heute noch in Namur. 

NLJS_CV_0596; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; NLJS_Dokumente_CV_0596; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Joseph Stoll Joseph Stoll wurde während seiner Dienstzeit in Namur von 1915 bis 1918 bei der Familie Jomouton einquartiert. Léon Jomouton, seine Ehefrau Aurélie Joly und ihre Tochter Simone auf einem Bild, welches im Nachlass Joseph Stolls als Erinnerungsstück vorliegt. Aufschrift Bildrückseite: Familie Jaumouton bei der ich [Anm.: Joseph Stoll] in Namur [...] 3 1/2 Jahre wohnte.; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

Anhand der Karte lässt sich der genaue Wohnort nur grob festlegen. Zum einen ist die Kennzeichnungen nur grob, die Adresse zudem unbekannt, zum anderen liegt dieser Bereich in einer Biegung und die Häuserfront ist kaum einsehbar. Die Wohnung lag somit am Ende der Rue de Marchovelette, Ecke Rue des Echasseurs und Rue de l'Ange.

NLJS_CV_0520; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Postkarte, Feldpost, gelaufen: keine Angaben; Absender: Joseph Stoll, Kaiserliche Fortifikation, Namur; Postkartenmotiv handschriftlich ergänzt: "in diesem Haus wohne ich"; Wohnort von Joseph Stoll während seiner Dienstzeit (1915-1918) in Namur; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017 ©.

Lage der Wohnung der Familie Jamouton



Video - Veränderung der Innenstadt Namurs durch Kriegseinwirkungen


Bei der Suche nach dem genauen Wohnort und der Zuordnung von historischen Bildern und Dokumenten half auch dieses Video, welches die Innenstadt - hier der Place d' Armes - in seiner ursprünglichen Form sowie der Phase der Zerstörung und des Wiederaufbaus zeigt.



Links und Literaturhinweise

[1] vergleiche Beitrag bei wikipedia "Deutsches Heer (Deutsches Kaiserreich) https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Heer_(Deutsches_Kaiserreich) (zuletzt besucht am 24.07.2017)
Weitere Bilder und Dokumente aus der Dienstzeit von Joseph Stoll finden Sie unter www.joseph-stoll.de


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