Samstag, 14. April 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Aufruf an alle 16-jährigen Bensheimer

Bereits zwei Monate nach Ausbruch des Krieges wird alles mobilisiert, was alt genug erscheint, die vaterländischen Pflicht erfüllen zu können. So sollen auch die Bensheimer Jugendlichen ab 16 Jahre militärisch vorgeschult werden und Vereine und Schulen sollen bei der Erhebung der notwendigen Daten helfen. In der Anzeige im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 21. September 1914 heißt es:

"Militärische Vorbildung der Jugend während des Kriegszustandes. Nach einem vom Großherzoglichen Ministerium  des Inneren auf Hessen ausgedehnten Erlaß preußischer Behörden, abgedruckt im Amtsverkündigungsblatt Nr. 37 vom 16. September 1914, soll unsere Jugend schon vom 16. Lebensjahre an auf den Militärdienst vorbereitet werden. Da die Erfüllung dieser Aufgabe eine hohe vaterländische Pflicht bedeutet und ein enger Zusammenschluß aller wehrfähiger Personen unbedingte Notwendigkeit ist, richten wir das dringende Ersuchen an die männliche Jugend, soweit sie das 16. Lebensjahr erreicht hat, sich an den geplanten Veranstaltungen recht zahlreich zu beteiligen.
   Anmeldungen auch derjenigen Personen, die hierbei als Führer und Leiter mitwirken wollen, werden bei uns, Zimmer 9, bis spätestens 1. Oktober l. Js. entgegengenommen.
   Die Meldungen solcher jungen Leute, die Vereinen angehören, und diejenigen von Schülern, erfolgen zweckmäßig durch Vermittelung der Vorstände, bezw. Leiter der Schulen. In diesen Fällen sollen die bei uns einzureichenden Listen, Vor- und Zunamen, Geburtstag, Wohnung und berufliche Tätigkeit enthalten.
Bensheim, am 21. September 1914.
Der Bürgermeister: In Vertretung: Denig."



Links und Literaturhinweise

1) vgl. Artikel Westdeutsche Zeitung vom 29. Juli 1914: Erster Weltkrieg an der Heimatfront: Jugendliche an die Waffen (zuletzt besucht am 27.01.2018).
2) vgl. WDR-Homepage: Mit den Augen eines 16-jährigen Soldaten (zuletzt besucht am 27.01.2018)
3) vgl. Homepage "Die Welt der Habsburger", Die Schulfront. (zuletzt besucht am 27.01.2018)


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Samstag, 7. April 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Kriegsbedingte Aufrufe und Werbung


...sind wir genötigt, die Kasse vormittags zu schließen... Arbeitskräftemangel

Nachdem die Mobilmachung beschlossen, der Krieg ausgebrochen war und immer mehr Männer im wehrfähigen Alter ihren Dienst an der Waffe antreten mussten, lichteten sich in der Heimat die Reihen. Arbeitskräfte wurden rar und es musste Ersatz gefunden werden.
Immer mehr traten Frauen[1] an die Stelle der fehlenden Männer, aber auch patriotische Aufrufe sind zu finden, die selbst vor dem wohlverdienten Ruhestand nicht Halt machen.

Die Annonce der Pfälzischen Landesbank[2] - hier die Filiale in Bensheim - im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 10.08.1914 weist auf das Problem der fehlenden Arbeitskräfte hin. Die Geschäftsstelle kann nur noch am Vormittag öffnen, denn die Direktion befindet sich an der Front:
"Pfälzische Bank; Wir geben hiermit davon Kenntnis, daß wir den Betrieb der hiesigen Filiale vollständig aufrecht erhalten, obwohl die Herren Direktoren Bernatz und Habich, sowie vier Gehilfen zu der Armee einberufen sind. Zu unserem Bedauern sind wir aber durch den infolge der Mobilmachung eingetretenen Mangel an Personal genötigt, die Kasse bis auf Weiteres nachmittags zu schließen. Die Kassestunden sind für die Folge: 8-12 Uhr vormittags. Wir bitten in diesen schweren Zeiten um geneigtes Entgegenkommen. Filiale der Pfälzischen Bank; Direktion: Lehmann. Steinbacher. (4090)" 



...selbstlose kostenfreie Vertretung... die Rettung naht

Doch Rettung naht, denn in den frühen Stunden des Krieges herrscht noch patriotisches Pflichtgefühl, welches auch einen "privatisierenden" Bewohner Bensheims seinen Teil beitragen lässt. In seiner Anzeige aus dem Bergsträßer Anzeigeblatt vom 10. August 1914 heißt es: 

Heilige Pflicht eines Jeden, dem Alter, Gebrechlichkeit oder Krankheit nicht gestatten, unseren Fahnen zu folgen ist in diesen schweren Tagen, seine Zeit und Kraft, sein Wissen und Können in den Dienst der Zurückgebliebenen zu stellen!
Gerade den alten privatisierenden Kaufleuten bietet sich jetzt Gelegenheit, helfend einzugreifen, indem sie die Vertretung der einberufenen Kollegen übernehmen und mache ich daher den Anfang, indem ich diejenigen Geschäfte ersuche, denen eine selbstlose kostenfreie Vertretung erwünscht ist, vertrauensvoll sich an mich zu wenden.; M. L. Wolff, Ernst-Ludwigstr. 36. Bensheim, den 7. August 1914"


Links und Literaturhinweise

[1] Dossier der Bundeszentrale für Politische Bildung: Frauenarbeit und Geschlechterverhältnisse (zuletzt besucht am 25.01.2018)
[2] Im Jahre 1902 übernahm die Pfälzische Bank die Volksbank Bensheim eGmbH und ihre Filialen, die wiederum 1921 von der Rheinischen Creditbank und 1929 von Deutschen Bank übernommen wurde. Quelle: http://www.bankgeschichte.de/de/content/839.html (zuletzt besucht am 25.01.2018)


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Dienstag, 27. März 2018

Fotografie des Dragoners Paul Klein aus Bensheim Auerbach, gefallen im August 1916 in Frankreich

Wieder einmal hat Herr Hans Bernhard Schober ein Zeitdokument aus dem Ersten Weltkrieg zur Verfügung gestellt, welches die Geschichte der Bensheimer im Ersten Weltkrieg um ein weiteres Puzzleteilchen ergänzt.

Paul Kleins Name wird auf dem Ehrenmal in Bensheim Auerbach geführt und dort sein Tod mit dem Datum 16.08.1916 angegeben. Das unten angeführte Bild zeigt ihn als Dragoner - so die Aufschrift auf der Rückseite des Bildes: "Dragoner Paul Klein, gefallen August 1916 bei () Frankreich" - wobei die Angaben in Bezug auf auf den Sterbeort und das Sterbedatum unvollständig sind.

Bei den Recherchen nach Paul Klein fällt auf, dass:
a) sein Name sich nicht in den Online-Listen des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. finden lässt,
b) der Name Paul Klein - eingegrenzt durch das ungefähre Todesdatum - in den Verlustlisten nur als "schwer verwundet" auftaucht (Deutsche Verlustliste Nr. 601., 8. August 1918, Seite 13876, Reichenbach, Landwehr-Infanterie-Regiment 84). 

Inwiefern die Uniform, die Zugehörigkeit zur Landwehr (Hinweise Verlustlisten und Ehrenmal) und der Hinweis auf den Fotografen "Atelier A. Nolden Cöln-Deutz, Freiheitsstraße 55" weitere Möglichkeiten bieten, den Werdegang und das Schicksal des Paul Kleins zu erschließen, ist unklar.


BIAB_HBS_0023.jpg; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober; Fotografie mit Aufschrift auf der Rückseite "Dragoner Paul Klein, gefallen August 1916 bei () Frankreich". Das Bild wurde vom Fotografen "Atelier A. Nolden Cöln-Deutz, Freiheitsstraße 55" gefertigt. Auf dem Ehrenmal in Bensheim Auerbach wird der Dragoner Paul Klein ebenfalls erwähnt. Hier lautet die Inschrift "Klein, Paul  Ldwhr. Frankreich gefallen 16.08.1916"; Nachlass Paul Klein, Bensheim; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober, zusammengestellt von Frank-Egon Stoll-Berberich 2017.

Ehrenmal Bensheim-Auerbach


Weitere Details zum Ehrenmal in Bensheim Auerbach finden Sie hier.


Links und Literaturhinweise



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Samstag, 3. März 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Patriotische Aufrufe

... gemeinsam sind wir stark...

Der Krieg ist erst ein paar Tage alt, das, was noch kommen wird, liegt fern ab jeder Vorstellung und wird alles, was bisher als Krieg bezeichnet wurde, in den Schatten stellen. 
Doch noch ist Patriotismus gefragt und so verwundert es nicht, dass etliche Aufrufe und Anzeigen an das "Zusammenhalten" appellieren und jeder trägt auf seine / ihre Art und Weise etwas dazu bei, nicht den Mut zu verlieren: 

An Deutschlands Frauen und Mädchen.

An Deutschlands Frauen und Mädchen
Wenn unsre Söhne, unsre Männer, unsre Brüder
in großen Scharen ziehen jetzt hinaus,
um kampfbereit und bis aufs äußerste entschlossen,
zu schützen Vaterland und Herd und Haus,
dann ist es unsre Pflicht, ihr deutschen Frauen und Mädchen,
nun doppelt tapfer, doppelt stark zu sein,
und alle Klagen alles Zagen zu verschließen
in unsres Herzens tiefstem Kämmerlein!
Es geht schon schwer genug der Vater von den Seinen,
der Sohn von seinen alten Eltern fort, -
erschwert die Trennung nicht mit Jammer und mit Tränen,
voll Zuversicht sei euer Abschiedswort!

Es ist im ganzen Deutschen Reiche seine Hütte,
es ist im ganzen Reiche sein Palast,
in dem nicht - glaub' es mir nur, liebe Seele -
die Sorge einzog, als ein trüber Saft!
Und daß wir alle, jung und alt, und hoch und nieder,
gemeinsam bangen um das Vaterland,
das bringt Versöhnung, und das schließt um unsre Herzen
ein heiliges, ein treues, festes Band!
Nein - klagt und zagt nicht - deutsche Frau'n und Mädchen!
Laßt uns voll Mut und festem Gottvertraun,
als tapfre Kameraden unsrer tapfren Streiter,
mit hellen Augen in die Zukunft schau'n!
(Aus dem Mannheimer Tageblatt) Lina Sommer"


Mitbürger. Schwere Zeit ist über uns hereingebrochen...

Was Lina Sommer in einem Gedicht ausdrückte, versucht der "Bensheimer Ausschuß" - bestehend aus einer Vielzahl von Bensheimer Größen durch das Sammeln von Spenden:

Mitbürger. Schwere Zeit ist über uns hereingebrochen. Ein furchtbarer Krieg ist uns aufgezwungen worden und die waffenfähigen Männer sind mit Armee und Marine ausgerückt, des Reiches Grenzen zu verteidigen. Viel Not und Elend gibt es bald zu lindern; auch in unserer Stadt sind viele Familien des Ernährers beraubt. Um die nötigsten Bedürfnisse zu befriedigen, bedarf es viel Geld und Hilfe jeder Art. Es gilt die Sorge unserer Kämpfer, die für uns bluten, dadurch zu erleichtern, daß wir bei den Zurückgebliebenen die drückendste Not bessern. Wie bereits durch die Presse bekannt gegeben, hat sich hier ein Ausschuß für freiwillige Hilfstätigkeit gebildet, der bestrebt ist, die nötigen Geldmittel zu beschaffen. Eine Liste wird in den nächsten Tagen von Haus zu Haus gehen. Mitbürger, unterstützt die Sammlung, steuere Jeder nach seinen Kräften bei!
Bensheim , den 6. August 1914.
Der Ausschuß: Adolf Bendheim, Kaufmann Jaeger, Justizrat Krenkel, Oberstadtsekretär Möller, Pfarrer Gustav Müller, Roos, Stadtrechner, Weller, Polizeikommissar, Zaubitz, Dekan



Segen von oben....

Die jüdische Gemeinde in Bensheim schließt sich an und betet täglich zweimal für die Frontsoldaten in der Bensheimer Synagoge. In einer kleinen Anzeige heißt es unter "Verschiedenes":

"Laut Anordnung Großherzoglichen Rabbinats Darmstadt II. findet anläßlich der Truppenabmärsche in der Bensheimer Synagoge ein Bittgottesdienst statt. Ferner wurde bestimmt, daß bis auf weiteres täglich in einem morgens und abends abzuhaltenden Gottesdienste der Krieger gedacht werden soll."



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Samstag, 17. Februar 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Die ersten Todesanzeigen

Geht man nach den Traueranzeigen im Bergsträßer Anzeigeblatt, so taucht die erste Traueranzeige, die den Tod eines Bensheimers beklagt bereits am 19. August auf, also schon 22 Tage nach Ausbruch des großen "Völkerringens".

Danach folgen schnell weitere Anzeigen, allerdings werden in diesen auch den im Bensheimer Lazarett verstorbenen Kameraden gedacht.

Die Anzeigen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Diese Unterschiede betreffen die Größe, die Ausführlichkeit der Texte und der darin enthaltenen persönlichen Informationen.

Franz Ohlemüller ~ 18.08.1914

Bergsträßer Anzeigeblatt
Am 19. August 1914 heißt es im Bergsträßer Anzeigeblatt:
"Todes-Anzeige. Der liebe Gott hat es gewollt, daß unser innigstgeliebter Sohn, unser unvergeßlicher Bruder, Schwager und Onkel Franz Ohlemüller im Dienste des Vaterlandes im Alter von 22 Jahren sein Leben lassen mußte. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Bensheim, den 18. August 1914. (4173)"
Auffallend ist hierbei, dass im Vergleich zu den vielen anderen darauffolgenden Todesanzeigen im Bergsträßer Anzeigeblatt das Eiserne Kreuz fehlt und dafür das in den regulären Todesanzeigen verwendete Kreuz zu finden ist.


Verlustlisten
Bei der Suche nach Opfern aus Bensheim, ergeben die Verlustlisten für "Franz Ohlemüller" keinerlei Einträge.

Bensheimer Friedhof
Auf dem Bensheimer Friedhof lässt sich der Name "Franz Ohlemüller" nur auf dem Denkmal und somit ohne genauere Angaben zum Geburts- und Todestag finden.


Wilhelm Franz Niestattkötter 30.08.1914


Da Wilhelm Franz Niestattkötter (15.04.1886 - 30.08.1914) weder gebürtiger Bensheimer war, noch in Bensheim wohnte, fühlte sich der Kriegerverein Bensheim dazu verpflichtet den im Bensheimer Lazarett verstorbenen, aus Westfalen stammenden Kameraden würdig beizusetzen. Dass es dabei zu einem Schreibfehler kommt, ist vermutlich der besonderen Situation (fehlende Angehörige und schnelle Beisetzung) geschuldet.

Bergsträßer Anzeigeblatt
Insbesondere die ausführliche Beschreibung des Ehrengeleits - wohl das erste Geleit für den Bensheimer Kriegerverein in diesem Krieg - macht diese Traueranzeige besonders, zudem verwendet der Kriegerverein das Eiserne Kreuz von 1870. In der Anzeige heißt es:
"Kriegerverein Bensheim. Der Kamerad Landwehrmann Wilhelm Franz Niestattketter, Bergmann aus Waltrop in Westfalen, gedient in der 2. Komp. des 5. bayr. Jägerbataillons ist im hiesigen Lazarett (Hospital) seinen Wunden erlegen. Er starb den Heldentod fürs Vaterland. 
Die Beerdigung findet Dienstag, den 1. September d. Js., vormittags 11 Uhr vom Hospital aus statt. Um den verstorbenen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen, laden wir die Mitglieder des Kriegervereins Bensheim zu recht zahlreicher Beteiligung bei der Beerdigung ein. 
Zusammenkunft im Hospitalhof 10 3/4 Uhr. Schwarzer Anzug und Hut, Hassiabazeichen, Orden und Ehrenzeichen. Bensheim, den 31. August 1914. 
Der Vorstand des Kriegervereins Bensheim. (4296)"


Verlustlisten
In den digital verfügbaren Verlustlisten taucht der Name - auch in beiden Schreibweisen - nicht auf.


Bensheimer Friedhof
Wilhelm Franz Niestattkötter wurde auf dem Bensheimer Ehrenfriedhof beigesetzt und er hat einen eigenen Grabstein (Grabstein No. 52). Die Inschrift auf dem Hügelgrabstein zeigt den Vornamen in umgekehrter Reihenfolge, also anstelle von Wilhelm Franz, Franz Wilhelm.


Ferdinand Cellarius 06.09.1914

Nur durch die präzisen Angaben in der Traueranzeige ist es möglich, die genauen Geburts- und Todesdaten zu entnehmen, allerdings nennen die Hinterbliebenen nur seinen Kosenamen, denn Ferdy hieß offiziell Ferdinand (25.07.1892 - 06.09.1914)

Bergsträßer Anzeigeblatt
Dem Dienstgrad entsprechend fällt diese Traueranzeige - veröffentlicht am 21. September 1914 - sowohl größer, als auch würdevoller aus. Die Anzeige wird gekrönt vom Eisernen Kreuz 1914 (vgl. Anzeige Niestattkötter).

"Am 6. September starb den Heldentod für Kaiser und Vaterland in treuer Pflichterfüllung mein einziger geliebter Sohn, mein treuer Bruder, unser lieber Enkel und Neffe, Ferdy Cellarius, Leutnant im Inf. Regt. 98 Metz.
Er vollendete am 25. Juli sein 22. Lebensjahr. In tiefem Schmerz: Anna Cellarius, geb. Rosmann, Maria Cellarius.
Bensheim, den 20. September 1914. Wir bitten herzlich von Beileidsbesuchen abzusehen. (4583)"



Verlustlisten
In der Deutschen Verlustliste vom 01.11.1914, Ausgabe 165, Preußen 66, Seite 2141 heißt es im Abschnitt Infanterie-Regiment 98, Metz, 8. Kompagnie: "Lt. Ferdinand Celarius, verm. Cellarius, Alsfeld, gefallen".

Bensheimer Friedhof
Auf dem Bensheimer Friedhof lässt sich der Name nur auf dem Denkmal finden.


Johann Ohlemüller ~ 07.09.1914
Auch wenn eine Todesanzeige vorliegt, so sind die Angaben - auch unter Berücksichtigung der anderen Quellen - eher dürftig. So lässt sich der Todeszeitpunkt nur anhand Anzeige grob abschätzen, das tragische Ereignis dürfte sich etwas länger vor Erscheinen der Anzeige sich zugetragen haben.

Bergsträßer Anzeigeblatt
In einer sehr kleinen Anzeige, das Kreuz weist keine Details auf, heißt es:
"Todes-Anzeige. Unser innigstgeliebter Gatte, Vater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Onkel und Pate Johann Ohlemüller III. starb den Tod fürs Vaterland bei der 11. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 118 im Alter von 27 Jahren. Dies zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte un stille Teilnahme Die trauernden Hinterbliebenen. Bensheim, 7. September 1914. (4359)"

Verlustlisten
In den digitalen Verlustlisten lassen sich keine Einträge finden, die sich auf Johann Ohlemüller beziehen.

Bensheimer Friedhof
Auf dem Bensheimer Friedhof lässt sich der Name nur auf dem Denkmal finden.


Simon Eichheimer ~ 08.09.1914
Vielleicht aufgrund des Zusatzes am Ende der Traueranzeige die bewegendste Anzeige, denn neben der Witwe trauern 4 Kinder um den 30-jährigen Vater.

Bergsträßer Anzeigeblatt
"Todes Anzeige. Im Dienste des Vaterlandes starb den Heldentod im Lazarett in Monzon (Frankreich) an den Folgen der erhaltenen Verletzungen im Gefecht bei Monzon der Wehrmann vom 118ten Infanterie-Regiment, 
Simon Eichheimer wohlversehen durch die Tröstungen der hl. Kirche im 30. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen unseren treubesorgten Gatten und Vater, Bruder, Schwager und Onkel.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Eichheimer und 4 Kinder.
Bensheim, den 8. Sept. 1914. Das Seelenamt findet am Freitag Vormittag 6 Uhr in der Pfarrkirche statt. (4382)"



Verlustlisten 
Simon Eichheimers Name lässt sich gleich zweimal in den Verlustlisten finden:

  • Am 14.10.1914 gibt die Deutsche Verlustliste (Preußen No. 103), Seite 1257 bekannt: "Wehrmann Eichheimer, Simon - Bensheim - leicht verwundet."
  • Am 13.03.1916 heißt es in der Deutschen Verlustliste (Preußen No. 478), Ausgabe 905, Seite 11597: "Reserve-Infanterie-Regiment 118, Berichtigung früherer Angaben: Eichheimer, Simon (2. Komp.) - Bensheim - bisher verw., †."

Bensheimer Friedhof
Auf dem Bensheimer Friedhof lässt sich der Name nur auf dem Denkmal finden.


Heinrich Bub 12.03.1887 - 13.09.1914
Im Falle Heinrich Bubs liegen sogar zwei Traueranzeigen vor, allerdings keine, die von den Angehörigen initiiert wurde. Vielmehr sind es der Arbeitgeber und die Kollegen, die Bubs gedenken. Bei der Recherche stellte sich ein weiteres Mal heraus, dass die Verlustlisten mehr als unzureichend sind, wenn es darum geht, die Details zum Tode oder zu den Personendaten zu erfassen. Das in der vom Firmenchef gestellten Anzeige genannte Todesdatum ist allerdings falsch.

Bergsträßer Anzeigeblatt

Anzeige No. 1:
"Am 16. ds. Mts. starb im Lazarett zu Coblenz an den Folgen einer im Kampfe für das Vaterland erlittenen schweren Verwundung mein treuer Arbeiter Heinrich Bub, Reservist im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 118. In treuester Pflichterfüllung für Kaiser und Reich hat er sein Leben hingegeben. Ehre seinem Andenken. W. Euler. Bensheim, den 17. September 1914. (4491)"

Anzeige No. 2:
"Nachruf. Den Heldentod für das Vaterland starb unser lieber Mitarbeiter Heinrich Bub Reservist im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 118. Wir verlieren in ihm einen aufrichtigen Freund und treuen Arbeitskollegen, dessen Andenken wir in hohen Ehren halten werden. Das Personal der Firma W. Euler. Bensheim, den 17. September 1914 (4490)." 


Verlustlisten
In der Deutschen Verlustliste No. 103 vom 14.10.1914, Preußen 50, Seite 1257 heißt es: "Wehrmann Heinrich Bub - Bensheim - leicht verwundet."

Wie die Anzeigen vermelden und der Tod belegt, müssen die Verwundungen schwer gewesen sein und nicht wie in der Verlustliste vermeldet, leicht.

Bensheimer Friedhof
Auf dem Bensheimer Friedhof wird Heinrich Bub sowohl auf dem Denkmal, als auch auf dem Friedhof in Form eines Grabsteines (Nr. 23) gedacht.


Clemens Helbing 19.02.1881 - 17.09.1914
Auch wenn die Traueranzeige von Clemens Helbig spricht, so scheint der Name Helbing richtig zu sein. Denn dieser taucht sowohl so in den Verlustlisten als auch auf dem Bensheimer Friedhof so auf. Somit wären die beiden verfügbaren Traueranzeigen, die vom Kriegerverein initiiert worden sind, beide falsch.

Bergsträßer Anzeigeblatt
Wieder bemüht sich der Kriegerverein um eine ausführliche Traueranzeige, die hauptsächlich ein Aufruf an die Mitglieder ist, den Verstorbenen doch gebührend auf seinem letzten Weg zu begleiten.

Es heißt:
"Krieger-Verein Bensheim. Der Kamerad, Landwehrmann Clemens Helbi[n]g, Metzgermeister aus Schmottseifen (Schlesien), gedient im 5. Res.-Jäger_Bat. Nr. 5 in Hirschberg ist im hiesigen Lazarett (Hospital) seinen Wunden erlegen. Er starb den Heldentod fürs Vaterland.
Die Beerdigung findet Samstag, den 19. September 1914, vormittags 11 Uhr vom Hospital aus statt.
Um dem verstorbenen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen, laden wir die Mitglieder des Kriegervereins Bensheim zu recht zahlreicher Beteiligung bei der Beerdigung ein. Auch die Mitglieder des hiesigen Veteranen- und Soldatenvereins sind zu dieser letzten Ehrung kameradschaftlichst eingeladen. 
Zusammenkunft im Hospital 10 3/4 Uhr. Schwarzer Anzug und Hut. Hassiaabzeichen, Orden und Ehrenzeichen.
Bensheim, den 18. September 1914. Der Vorstand des Krieger-Vereins Bensheim. (4511)."

Verlustlisten
In den Verlustlisten taucht Clemens Helbing zweimal auf:
  • Am 27.09.1914 nennt die Deutsche Verlustliste No. 55, Preußen No. 36, Seite 574: "Jäger Clemens Helbing - Schmothseifen, Kreis Löwenberg - leicht verwundet."
  • Am 20.10.1914 heißt es in der Deutschen Verlustliste No. 125, Preußen No. 55, Seite 1553: "Jäger Clemens Helbing - Schmothseifen, Löwenberg - bisher verwundet, ist tot.
Bensheimer Friedhof 
Auf dem Grabstein Nr. 100 findet sich sein Name nebst Geburts- und Todesdatum: 19.02.1881 - 17.09.1914.


Bensheim-Auerbach
Da auf dieser Seite auch das Ehrenmal in Auerbach behandelt wurde, sollen die ersten Gefallenen aus Auerbach nicht verschwiegen werden.
Die ersten Toten hatte Auerbach ebenfalls schon im August 1914 zu beklagen, nämlich:

  • Unteroffizier Richard Alexander Wagner. Er fiel am 22.08.1914 in Belgien.
  • Musketier Georg Merkel. Er fiel am 22.08.1914 in Belgien.
  • Unteroffizier Karl Schlosser. Er fiel am 22.08.1914 in Frankreich.



Links und Literaturhinweise

Die Deutschen Verlustlisten - Suche über genealogy.net


© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2018, Alle Rechte vorbehalten.


Freitag, 9. Februar 2018

Militäreisenbahnanwärter Philipp Seeger schreibt seinem Bruder Jakob Seeger

Philipp und Jakob Seeger dienten beide bei einem Eisenbahnregiment. Während Jakob Seeger im Osten eingesetzt wird, ist sein Bruder in Belgien als Militäreisenbahnanwärter im Einsatz. 

Stolz zeigt er sich auch dem Feldpostkartenmotiv mit seinen Kameraden, im Hintergrund erkennt man Eisenbahnanlagen.
"Feldpostkarte, Absender: Philipp Seeger; Adressat: Familie Jakob Seeger, Auerbach an der Bergstraße, Hessen Darmstadt, Rodauerstraße; Text: Hal [Anm.: Halle in Belgien, französisch Hal] 16.10.1914; Liebe Schwägerin. Ich bin jetzt vierzehn Tage hier. Es gefällt mir sehr gut. Habe Jakob geschrieben. Hoffentlich geht es Euch noch gut was bei mir auch der Fall ist. Die besten Grüße aus der Ferne sendet Philipp; Aufschrift Vorderseite: Abs. Militäreisenbahnanwärter Seeger in Hal bei Brüssel"
BIAB_HBS_0021.jpg; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober; Feldpostkarte, Absender: Philipp Seeger; Adressat: Familie Jakob Seeger, Auerbach an der Bergstraße, Hessen Darmstadt, Rodauerstraße; Text: Hal [Anm.: Halle in Belgien, französisch Hal] 16.10.1914; Liebe Schwägerin. Ich bin jetzt vierzehn Tage hier. Es gefällt mir sehr gut. Habe Jakob geschrieben. Hoffentlich geht es Euch noch gut was bei mir auch der Fall ist. Die besten Grüße aus der Ferne sendet Philipp; Aufschrift Vorderseite: Abs. Militäreisenbahnanwärter Seeger in Hal bei Brüssel; zusammengestellt und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2017.



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Samstag, 20. Januar 2018

Georg Seeger - Von der Auerbacher Kapelle zur Regiments-Musik

Die Familie Seeger aus Auerbach ist ja bereits aus den Beiträgen über Jakob Seeger bekannt. Georg Seeger schreibt heute eine Feldpostkarte aus - vermutlich Wetzlar - an seinen Bruder Jakob Seeger.

Georg Seeger - beim Musikkorps des Reserve Infantrieregiments 81 - schreibt:
"geschrieben, den 12.09.1916; Lieber Bruder! Deine Karte erhalten. Besten Dank. Wie ich darüber erfahre, geht es noch dir gut, was auch bei mir der Fall ist. Ich hoffe auch bald wieder einmal auf Urlaub kommen zu können. Herzliche Grüße sendet Dein Bruder Georg. Abs: Wehrm. Gg. Seeger 6. Komp R. I. R. 81, Reg. Musik"


Vermutlich fand Jakob Seeger zu der Einheit aufgrund seiner musikalischen Fähigkeiten, denn die Mitglieder der Familie Seeger waren in Auerbach als Kapelle ebenfalls bekannt. Hierzu lässt sich bei LAGIS folgender Eintrag finden:

Die Kapelle Seeger spielt in Bensheim zur Musterung, 1907-1908

Quelle: „Die Kapelle Seeger spielt in Bensheim zur Musterung, 1907-1908“, in: Historische Bilddokumente <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bd/id/198-114> (Stand: 20.4.2011)