Sonntag, 5. August 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Ausgesuchte Artikel und Annoncen - 29.06.1914 - Das Attentat von Sarajewo


Nichtamtlicher Teil 

Erzherzog-Thronfolger Ferdinand von Österreich und Gemahlin ermordet.

Serajevo, 28. Juni. Als sich der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin die Herzogin Sophie von Hohenberg  heute Vormittag zum Empfang ins Rathaus begab, wurde gegen sein Automobil eine Bombe geschleudert, die der Erzherzog mit dem Arme zurück stieß. Die Bombe explodierte, nachdem das Erzherzogliche Automobil die Stelle passiert hatte. Die in dem nachfolgenden Automobil befindlichen beiden Herren des Gefolges wurden leicht verletzt. Vom Publikum wurden sechs Personen schwer und fünf leicht verletzt. Der Attentäter, der Typograph Cabrenovic aus Trebinje, wurde sofort festgenommen. Nach dem Empfang im Rathause setzte der Thronfolger mit seiner Gemahlin die Rundfahrt fort. Ein Gymnasiast der achten Klasse namens Princip aus Prahova feuerte aus einem Browning mehrere Schüsse auf den Thronfolger und dessen Gemahlin ab. Der Thronfolger wurde im Gesicht, die Herzog in den Unterleib getroffen. Beide wurden in den Konak übergeführt, wo sie ihren Verletzungen erlegen sind. Der Attentäter wurde verhaftet. Die erbitterte Menge lynchte nahezu beide Attentäter. Die Trauer in der Stadt ist allgemein. 
Wien, 28. Juni. Erzherzog Franz Ferdinand und die Herzogin Hohenberg waren von ihrem Aufenthalt in Bosnien sehr befriedigt, besonders gut gefiel ihnen der Kurort Ilidze. Überall, wo sie sich zeigten, waren sie der Gegenstand herzlicher Ovationen des Publikums, so auch gestern bei der Promenade, welche sie ohne jede Begleitung im Kurpark von Ilidze unternahmen. Von anderer Seite wird noch über das Attentat von Serajewo gemeldet: Heute Vormittag 10 Uhr traf das erzherzogliche Paar aus Ilidze in Sarajewo ein, wo ein großartiger Empfang vorbereitet wurde. Unweit dem Bahnhofe wurde die Bombe geworfen, von der der Thronfolger und seine Gemahlin noch verschont blieben, durch welche 11 Personen aus dem Publikum, davon 6 schwer und fünf leicht verletzt wurden. Die beiden Offiziere des Gefolges sollen gleichfalls schwer verletzt sein. Trotzdem fuhr das Erzherzogspaar nach dem Rathause weiter. Nach dem Verlassen des Rathauses sollen sie beabsichtigt haben, den Verletzten einen Besuch abzustatten. Am Hauptplatz von Sarajewo sprang plötzlich ein junger, gut gekleideter Mann aus dem Publikum hervor und gab auf das erzherzogliche Paar zwei Schüsse ab, von denen einer den Erzherzog-Thronfolger nahe der Schläfe und der andere die Herzogin von Hohenberg in den Unterleib traf. Das Automobil setzte die Fahrt nach dem Konak in beschleunigtem. Tempo fort. Hier waren sofort Ärzte zur Stelle, doch war jegliche Hilfeleistung unmöglich. Gleich nach dem Eintreffen in dem Konak verschieden der Erzherzog-Thronfolger und seine Gemahlin. 
Bad Ischl, 28. Juni. Die Nachricht von dem Ableben des Thronfolgers und der Herzogin Sophie von Hohenberg hat hier große Bestürzung hervorgerufen und tiefste Anteilnahme auch für Seine Majestät erweckt. Als dem Kaiser Franz Joseph, der gestern erst zum Sommeraufenthalt eingetroffen war, die Nachricht mitgeteilt wurde, weinte er und brach in die Worte aus: „Entsetzlich, entsetzlich! Auf dieser Welt ist mir nichts erspart geblieben.“ Der Kaiser zog sich hierauf in seine Appartements zurück. Sämtliche Veranstaltungen und Theatervorstellungen wurden sofort nach dem Bekanntwerden der Trauernachrichten abgesagt. Die Abreise des Kaisers nach Wien ist endgültig auf morgen, Montag, früh festgesetzt worden. 
Wien, 28. Juni. Die Nachricht von dem Attentat und dem Tode des Erzherzog Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin, die in Wien um 4 Uhr bekannt wurde, wurde in der ganzen Stadt unter dem Ausdruck tiefster Teilnahme und Bestürzung lebhaft besprochen. Von den einzelnen Häusern wehen bereits schwarze Fahnen. Die Zeitungen verbreiteten die Nachricht durch Extrablätter. Auf dem Flugplatze traf die Nachricht um 1/4 4 Uhr ein und zwar in Form von unbestimmten Gerüchten. Sie wurde zuerst von niemand geglaubt. Die Flugkonkurrenzen wurden daher fortgesetzt. In der Hofloge wohnte Erzherzog Karl Albrecht den Vorführungen bei. Als ihm die offizielle Nachricht von dem Attentat zur Kenntnis gebracht wurde, verließ er sofort das Flugfeld. Die Flüge wurden sofort eingestellt.
Serajewo, 28. Juni. Der Attentäter Princip ist 19 Jahre alt. Er gab bei dem Verhör an, schon lange die Absicht gehabt zu haben, irgendeine hohe Person aus nationalistischen Motiven zu töten. Er habe einen Moment gezögert, da auch die Herzogin sich im Automobil befand, dann aber rasch gefeuert. Er leugnet, Komplizen zu haben. Der einundzwanzigjährige Typograph Cabrinovic zeigte bei dem Verhör ein zynisches Wesen. Auch er erklärte, keine Komplizen zu haben. Cabrinovic war nach dem Attentat in den Fluß gesprungen, wurde jedoch von den nachspringenden Wachtleuten und Personen aus dem Publikum verhaftet. Wenige Schritte von dem Schauplatz des zweiten Attentats wurde eine unwirksam gebliebene Bombe aufgefunden. Sie dürfte von einem dritten Attentäter weggeworfen worden sein, nachdem er gesehen hatte, daß der Anschlag gelungen war. Princip erklärte, er habe längere Zeit in Belgrad studiert. Cabrinovic erklärte, die Bombe von einem Anarchisten in Belgrad, dessen Namen er nicht kenne, erhalten zu haben.


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Samstag, 7. Juli 2018

Bensheimer treffen sich in Russland... zufällig

Mitten in Russland, vor einer Hausruine, im Winter treffen sich Bensheimer und schießen ein Gruppenbild. Dieses Bild stammt aus dem Stadtarchiv und verfügt Gott sei Dank über eine Aufschrift auf der Rückseite. So ist es auch möglich die Personen teilweise mit Namen zu versehen. Man erkennt Heinrich Völker (No. 2) von dem auch das Bild stammt, Herr Weimar (No. 3), Philipp Schader (No. 4), Joseph Hunger (No. 5), Herr Scheider (No. 6).



Selbst nach 100 Jahren könnte es sein, dass jemand dieses Bild auch noch im Nachlass eines Angehörigen hat oder vielleicht das Gesicht des Vorfahrens erkennt. Wie schön wäre es, wenn die restlichen Namen noch gefunden werden könnten.


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Samstag, 23. Juni 2018

Soldat Klein schreibt seiner Schwester - Feldpostkarte mit Alltagsszene aus dem Soldatenleben

Leider ist der Vorname des Soldaten Klein unbekannt, aber dafür lässt er sich innerhalb seiner Familie gut einordnen. Er ist der Schwager von Jakob Seeger (siehe Beiträge) und steht zudem in Verbindung mit Paul Klein (siehe Beitrag).

Er schreibt:
Feldpostkarte, gelaufen 14.10.1917; Poststempel: Bad Homburg 14.10.1917. 7-8 N; 1 Krone; Adressat: Frau Maria Seeger, Auerbach / H., Neuer Weg, bei Jährling; Text: Bad Homburg, 12.10.1917; Liebe Schwester! Hoffentlich bist Du & klein Emma noch gesund & munter, was bei mir auch der Fall. Komme jedenfalls nächsten Sonntag auf Urlaub. Gruß an Jakob, wenn Du wieder schreibst. Herzl. Grüße an Dich [Rest des Texts fehlt]
Seine genaue Verwendung ist unbekannt, sein Werdegang ebenfalls. Aber alleine das Motiv der Feldpostkarte, der Bezug zu Bensheim-Auerbach und die oben genannte familiäre Zuordnung rechtfertigen die Veröffentlichung der Feldpostkarte.



Ein herzliches Dankeschön geht wieder einmal an Herrn Hans Bernhard Schober, der ein weiteres Mal in den "Tiefen der Fotokisten" fündig geworden ist. Danke!


Links und Literaturhinweise


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Samstag, 19. Mai 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Einquartierungen

Der Krieg bringt Veränderungen. Die Männer und Söhne müssen einrücken, die Versorgungslage der Bevölkerung muss sichergestellt werden und die Privatsphäre erleidet massive Einschnitte, denn es kommt zu Einquartierungen. Was des einen Freud, ist des anderen Leid.

Die Pflicht ruft... es wird einquartiert!

Im Bergsträßer Anzeigeblatt wird in der Rubrik "Vermischtes" kurz auf den Sachverhalt und die Verfahrensweise hingewiesen. Es trifft jeden, aber diejenigen, die Geld haben, können die zugewiesenen Soldaten auch woanders auf eigene Kosten unterbringen und bleiben so in ihrer Privatsphäre ungestört. 

BIAB_Bergstraesser_Anzeigeblatt_19140807_004.jpg; Stadtarchiv Bensheim; Anzeige im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 7. August 1914 unter "Vermischtes": Einquartierungen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die von der Militärbehörde den einzelnen Gebäuden zugeteilte Mannschaft an Einquartierung auf die Inhaber der Wohnungen nach Verhältnis der Größe der letzteren verteilt wird. Hiernach ist auch der Mieter zur Quartierleistung verpflichtet. Die für jedes Gebäude festgesetzte Einquartierung muß auch dann gewährt werden, wenn der Hauseigentümer verreist oder abwesend sein sollte. In diesen Fällen erfolgt die Ausquartierung durch den Bürgermeister auf Kosten des Hauseigentümers oder Mieters. Quartierpflichtigen ist es gestattet, auf ihre Kosten die ihnen zugeteilte Mannschaft auszuquartieren; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2018.


Der Handel ist vorbereitet... Bett und Matratze müssen her...

Es müssen die einzelnen Haushalte also "aufrüsten". Alles, was ein einquartierter Soldat braucht, bietet der örtliche Handel an:




Links und Literaturhinweise


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Freitag, 27. April 2018

"Draußen ist es heute sehr kalt" - Gefreiter Jakob Seeger schreibt seiner Familie in Auerbach

Gefreiter Jakob Seeger hält sich im Frühjahr 1917 in Lemberg (Lwiw) auf. Lemberg, eine der größten Garnisonen der k.u.k. Monarchie und somit ein Schutz vor dem russischen Zarenreich, fiel 1914 in der Schlacht von Lemberg kurzzeitig in russische Hände, konnte zurückerobert werden, war aber bis zur russischen Revolution immer wieder gefährdet.

Jakob Seeger allerdings kämpft mit der Kälte und zieht sich in das Soldatenheim zurück. Er schreibt:
"geschrieben, den 5.2.1917, Meine Lieben! Sende Euch nochmals die besten Grüße von hier, und hoffe, daß Ihr auch noch alle gesund seid. Habe Euch Lieben gestern auch eine Karte geschickt. Draußen ist es heute sehr kalt, habe mich wieder im Soldatenheim niedergelassen, denn hier ist es schön warm. Sonst wüßte ich nichts neues. Viele Grüße und baldiges Wiedersehen Euer tr. Vater. Schreibt bitte auch bald wieder"
BIAB_HBS_0024.jpg; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober; Feldpostkarte gelaufen 05.02.1917, Stempel: K.D. Feldpoststation, 5.2.1917. 4-5 N, Nr 268; zusätzlicher Stempel: Deutsches Soldatenheim Lemberg; Absender: Gefreiter [Anm.: Jakob] Seeger, Militär Güter und Paketamt, K.D. Südarmee, deutsche Feldpost 151; Adressat: Frau Marie Seeger, Auerbach (Hessen), Neuer Weg N. 14;  Text: geschrieben, den 5.2.1917, Meine Lieben! Sende Euch nochmals die besten Grüße von hier, und hoffe, daß Ihr auch noch alle gesund seid. Habe Euch Lieben gestern auch eine Karte geschickt. Draußen ist es heute sehr kalt, habe mich wieder im Soldatenheim niedergelassen, denn hier ist es schön warm. Sonst wüßte ich nichts neues. Viele Grüße und baldiges Wiedersehen Euer tr. Vater. Schreibt bitte auch bald wieder; Verlag: Wydawnictwo Salonu Malarzy Polskich w Krakowie 1916; zusammengestellt und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2018.
Verlag: Wydawnictwo Salonu Malarzy Polskich w Krakowie 1916.



Diese Karte ist als "tragischer Vorbote" zu bezeichnen, denn es wird eine Lungenentzündung sein - zugezogen im kalten Winter 1918 - die Jakob Seeger kurz vor seiner Heimkehr in die hessische Heimat und wenige Tage nach Ende des Krieges, das Leben kosten wird. 

Das ganze Schicksal Jakob Seegers finden Sie hier.


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Samstag, 14. April 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Aufruf an alle 16-jährigen Bensheimer

Bereits zwei Monate nach Ausbruch des Krieges wird alles mobilisiert, was alt genug erscheint, die vaterländischen Pflicht erfüllen zu können. So sollen auch die Bensheimer Jugendlichen ab 16 Jahre militärisch vorgeschult werden und Vereine und Schulen sollen bei der Erhebung der notwendigen Daten helfen. In der Anzeige im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 21. September 1914 heißt es:

"Militärische Vorbildung der Jugend während des Kriegszustandes. Nach einem vom Großherzoglichen Ministerium  des Inneren auf Hessen ausgedehnten Erlaß preußischer Behörden, abgedruckt im Amtsverkündigungsblatt Nr. 37 vom 16. September 1914, soll unsere Jugend schon vom 16. Lebensjahre an auf den Militärdienst vorbereitet werden. Da die Erfüllung dieser Aufgabe eine hohe vaterländische Pflicht bedeutet und ein enger Zusammenschluß aller wehrfähiger Personen unbedingte Notwendigkeit ist, richten wir das dringende Ersuchen an die männliche Jugend, soweit sie das 16. Lebensjahr erreicht hat, sich an den geplanten Veranstaltungen recht zahlreich zu beteiligen.
   Anmeldungen auch derjenigen Personen, die hierbei als Führer und Leiter mitwirken wollen, werden bei uns, Zimmer 9, bis spätestens 1. Oktober l. Js. entgegengenommen.
   Die Meldungen solcher jungen Leute, die Vereinen angehören, und diejenigen von Schülern, erfolgen zweckmäßig durch Vermittelung der Vorstände, bezw. Leiter der Schulen. In diesen Fällen sollen die bei uns einzureichenden Listen, Vor- und Zunamen, Geburtstag, Wohnung und berufliche Tätigkeit enthalten.
Bensheim, am 21. September 1914.
Der Bürgermeister: In Vertretung: Denig."



Links und Literaturhinweise

1) vgl. Artikel Westdeutsche Zeitung vom 29. Juli 1914: Erster Weltkrieg an der Heimatfront: Jugendliche an die Waffen (zuletzt besucht am 27.01.2018).
2) vgl. WDR-Homepage: Mit den Augen eines 16-jährigen Soldaten (zuletzt besucht am 27.01.2018)
3) vgl. Homepage "Die Welt der Habsburger", Die Schulfront. (zuletzt besucht am 27.01.2018)


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Samstag, 7. April 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Kriegsbedingte Aufrufe und Werbung


...sind wir genötigt, die Kasse vormittags zu schließen... Arbeitskräftemangel

Nachdem die Mobilmachung beschlossen, der Krieg ausgebrochen war und immer mehr Männer im wehrfähigen Alter ihren Dienst an der Waffe antreten mussten, lichteten sich in der Heimat die Reihen. Arbeitskräfte wurden rar und es musste Ersatz gefunden werden.
Immer mehr traten Frauen[1] an die Stelle der fehlenden Männer, aber auch patriotische Aufrufe sind zu finden, die selbst vor dem wohlverdienten Ruhestand nicht Halt machen.

Die Annonce der Pfälzischen Landesbank[2] - hier die Filiale in Bensheim - im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 10.08.1914 weist auf das Problem der fehlenden Arbeitskräfte hin. Die Geschäftsstelle kann nur noch am Vormittag öffnen, denn die Direktion befindet sich an der Front:
"Pfälzische Bank; Wir geben hiermit davon Kenntnis, daß wir den Betrieb der hiesigen Filiale vollständig aufrecht erhalten, obwohl die Herren Direktoren Bernatz und Habich, sowie vier Gehilfen zu der Armee einberufen sind. Zu unserem Bedauern sind wir aber durch den infolge der Mobilmachung eingetretenen Mangel an Personal genötigt, die Kasse bis auf Weiteres nachmittags zu schließen. Die Kassestunden sind für die Folge: 8-12 Uhr vormittags. Wir bitten in diesen schweren Zeiten um geneigtes Entgegenkommen. Filiale der Pfälzischen Bank; Direktion: Lehmann. Steinbacher. (4090)" 



...selbstlose kostenfreie Vertretung... die Rettung naht

Doch Rettung naht, denn in den frühen Stunden des Krieges herrscht noch patriotisches Pflichtgefühl, welches auch einen "privatisierenden" Bewohner Bensheims seinen Teil beitragen lässt. In seiner Anzeige aus dem Bergsträßer Anzeigeblatt vom 10. August 1914 heißt es: 

Heilige Pflicht eines Jeden, dem Alter, Gebrechlichkeit oder Krankheit nicht gestatten, unseren Fahnen zu folgen ist in diesen schweren Tagen, seine Zeit und Kraft, sein Wissen und Können in den Dienst der Zurückgebliebenen zu stellen!
Gerade den alten privatisierenden Kaufleuten bietet sich jetzt Gelegenheit, helfend einzugreifen, indem sie die Vertretung der einberufenen Kollegen übernehmen und mache ich daher den Anfang, indem ich diejenigen Geschäfte ersuche, denen eine selbstlose kostenfreie Vertretung erwünscht ist, vertrauensvoll sich an mich zu wenden.; M. L. Wolff, Ernst-Ludwigstr. 36. Bensheim, den 7. August 1914"


Links und Literaturhinweise

[1] Dossier der Bundeszentrale für Politische Bildung: Frauenarbeit und Geschlechterverhältnisse (zuletzt besucht am 25.01.2018)
[2] Im Jahre 1902 übernahm die Pfälzische Bank die Volksbank Bensheim eGmbH und ihre Filialen, die wiederum 1921 von der Rheinischen Creditbank und 1929 von Deutschen Bank übernommen wurde. Quelle: http://www.bankgeschichte.de/de/content/839.html (zuletzt besucht am 25.01.2018)


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