Dienstag, 12. April 2022

Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 10.11.1915

 

Während ein paar Kilometer weiter die Hölle tobt, der Krieg seine häßliche Fratze zeigt, erweist sich die Etappe mal wieder als völlig andere Welt. Joseph Stoll hat bei seinem Posten als Gerichtsschreiber, später wird er bei der Festungsverwaltung eingesetzt, ausreichend viel Zeit, um seiner Mutter regelmäßig und viel zu schreiben. Er kann sogar seine Arbeiten für sein heimisches Atelier als Werbegrafiker und Architekt koordinieren. So steht er in Verbindung mit einer Druckerei, die seine Aufträge umsetzt und er kann Geld empfangen... In der Etappe hätte man eingesetzt sein müssen!

Soeben höre ich von Reiling, daß du seit 24 Oktober noch keinen Brief bekommen hast. Ich habe während der Zeit schon einige Briefe und Karten geschrieben. Gestern habe ich einen Brief geschickt mit dem Briefe von Herrn Eisenhardt. Schreibe sofort ob du ihn erhalten hast. Die Broschüre Hofmann brauchst du nicht zu suchen, sie ist in Darmstadt. Ich habe Herrn Prof. Hofmann um eine andere gebeten. Sonst alles sehr gut. Hzl. Grüße Dein Joseph. Geld bekommen.

NLJS_Dokumente_CV_0465.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskartekarte, Verlag: Grands Magasins de la Station, Namur; Feldpost, gelaufen 10.11.1915; Absender: Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen); Text: Soeben höre ich von Reiling, daß du seit 24 Oktober noch keinen Brief bekommen hast. Ich habe während der Zeit schon einige Briefe und Karten geschrieben. Gestern habe ich einen Brief geschickt mit dem Briefe von Herrn Eisenhardt. Schreibe sofort ob du ihn erhalten hast. Die Broschüre Hofmann brauchst du nicht zu suchen, sie ist in Darmstadt. Ich habe Herrn Prof. Hofmann um eine andere gebeten. Sonst alles sehr gut. Hzl. Grüße Dein Joseph. Geld bekommen; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Donnerstag, 30. Dezember 2021

Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 07.11.1915

 

 So langsam füllen sich die Feldpostkarten mit "wichtigen" Inhalten. Dass Joseph Stoll in der Etappe nur wenig vom Treiben an der Front zu erzählen aht und sogar Zeit findet sich touristisch fortzubilden, ist in Anbetracht des Gesundheitsszustandes seiner Mutter von Vorteil. Obwohl die Karten mehr als 100 Jahre alt sind, scheinen sich die Probleme zu wiederholen. Die Mutter in Bensheim braucht Hilfe im Haushalt, im Alltag, ihr Gesundheitszustand ist schlecht. 

Doch wer soll sie pflegen und versorgen? Fernab der Heimat fällt es schwer, geeignete Personen zu finden, die vertrauenswürdig sind. Hier scheinen weitere Briefe zu folgen, die leider nicht mehr existieren.

"Gestern habe ich einen Brief von Herrn Eisenhardt bekommen, worin er mir mitteilt, daß ich von der Schule pro Monat 30 Mark bekommen soll. Ebenso sollst Du 12 Mark pro Monat empfangen aus der [...]kasse. Dann sagte er, in der Ausschußsitzung sei darüber gesprochen worden, daß du eine rote Kreuzschwester ins Haus bekämest, die Nachts im Hause schlafen soll. Mit allem bin ich einverstanden, aber mit letzterem nicht. Spreche mit Fräulein [Kirbaum] wenn sie dableiben möge wie seither, dann könne niemand anderes zu dir! So ist es mir lieber. Wenn sie allerdings nicht dableiben kann, bis ich zurück bin, dann ist es eine andere Sache. Ich werde noch ausführlicher schreiben. Das Geld habe ich erhalten und schon Karte geschrieben. Viele Grüße an Fräulein Nierbauer und Mutter sowie an Frau Geheimrat, wenn sie zu dir kommt. Heute bin ich in Lüttich auf Urlaub. Viele Grüße Joseph"


NLJS_Dokumente_CV_0463.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte; Verlag: Emile Durmont, éditeur, Liege; Feldpost, gelaufen 07.11.1915 Absender: Joseph Stoll, Fahrer, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB, (Hessen) Text: Gestern habe ich einen Brief von Herrn Eisenhardt bekommen, worin er mir mitteilt, daß ich von der Schule pro Monat 30 Mark bekommen soll. Ebenso sollst Du 12 Mark pro Monat empfangen aus der [...]kasse. Dann sagte er, in der Ausschußsitzung sei darüber gesprochen worden, daß du eine rote Kreuzschwester ins Haus bekämest, die Nachts im Hause schlafen soll. Mit allem bin ich einverstanden, aber mit letzterem nicht. Spreche mit Fräulein [Kirbaum] wenn sie dableiben möge wie seither, dann könne niemand anderes zu dir! So ist es mir lieber. Wenn sie allerdings nicht dableiben kann, bis ich zurück bin, dann ist es eine andere Sache. Ich werde noch ausführlicher schreiben. Das Geld habe ich erhalten und schon Karte geschrieben. Viele Grüße an Fräulein Nierbauer und Mutter sowie an Frau Geheimrat, wenn sie zu dir kommt. Heute bin ich in Lüttich auf Urlaub. Viele Grüße Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 28.10.1915

 

 Das Ansichtskartenmotiv zeigt die Häuserzeile kurz vor der Mündung der Sambre in die Maas, direkt unter der Zitadelle. Diese Ansicht gibt es heute so nicht mehr. Der Inhalt der Karte ist... schön für die Mama!

NLJS_Dokumente_CV_0461.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte, Feldpost, gelaufen 28.10.1915; Absender: Fahrer Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur, (Belgien); Adressat:Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim adB (Hessen); Text: Liebe Mama! Hzl. Grüße von hier! Es geht auch sehr gut. Es gefällt mir ebenfalls noch gut. Hoffentlich ist es auch so bei Dir. Demnächst werde ich wieder einmal schreiben. Sei hzl. gegrüßt von mir. Viele Grüße an alle Bekannte. Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 26.10.1915

Diese Ansichtskarte - trotz der schlechten Qualität - stellt eine Besonderheit dar, denn kurz nach seiner Ankunft und Einsatz bei der Festungsverwaltung von Namur weiß Joseph Stoll nocht nicht, dass er später über das hier gezeigte Ehrenmal einen Aufsatz in dem Werk "Namur -  Vor und im Weltkrieg" verfassen wird und für die Pflege und Verwaltung der Anlage verantwortlich sein wird.

In der Karte berichtet er seiner Mutter von dem Besuch des Friedhofs in Namur-Belgrade und wie er das Grab eines Bekannten von der Bergstraße aufgesucht hat.

Von einem Ausflug nach Belgrade hzl. Grüße. Habe heute das Grab des Sohnes vom Schloßhauptmann Baur Betaz [Anm.: Baur de Betatz] Schönberg besucht. Sonst nichts neues zu berichten. Hoffentlich geht es euch gut. Hast du die Hose und Mütze abgeschickt? Hzl. Grüße Joseph, Sonntag 24. Oktober 1915.
NLJS_CV_0459.jpg; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte, Feldpostkarte, gelaufen: 26.10.1915; Absender: Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur, Belgien; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll Hochwolgeb., Bensheim adB, Hessen. Text: Von einem Ausflug nach Belgrade hzl. Grüße. Habe heute das Grab des Sohnes vom Schloßhauptmann Baur Betaz [Anm.: Baur de Betatz] Schönberg besucht. Sonst nichts neues zu berichten. Hoffentlich geht es euch gut. Hast du die Hose und Mütze abgeschickt? Hzl. Grüße Joseph, Sonntag 24. Oktober 1915.

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Mittwoch, 29. Dezember 2021

Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 15.10.1915

 

Ob dienstlich oder privat... Joseph Stoll ist kurz nach seiner Ankunft in Belgien bereits in Brüssel und wieder ist es eine Ansichtskarte, die eine Kirche zeigt. Die Kathedrale St. Michael und St. Gudula in Brüssel. Die Faszination für die Stadt überwiegt und somit leidet der Text der Anischtskarte... Knapper geht es kaum noch:

Von Brüssel herzl[iche] Grüße. Brief erhalten. Sehr gefreut. Joseph

NLJS_Dokumente_CV_0457; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte gelaufen, Feldpost 15.10.1915; Adressat: Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Hessen; Absender: Fahrer Joseph Stoll, Festungsfuhrparkkolonne I, Namur über Cöln-Deutz, Text: Von Brüssel herzl[iche] Grüße. Brief erhalten. Sehr gefreut. Joseph; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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Liebe Mama... - Feldpostkarten aus Namur von Joseph Stoll - 08.10.1915

 

Wie bereits auf der ersten Ansichtskarte an seine Mutter teilt Joseph Stoll dieser nur mit, wie er erreichbar sein wird und zudem, dass sie ihm - ihre Fürsorge muss erdrückend gewesen sein - nichts schicken möge.

Ein weiteres Mal handelt es sich um ein Motiv aus seiner "neuen" Heimat, nämlich dem wunderschönen Namur. Die meisten Ansichtskarten stammen aus kleinen Heftchen, die viele Ansichtskarten beinhalten und die - da perforiert - leicht entnommen werden können.

Feldpost 08.10.1915; Adressat: An Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Hessen; Absender: Fahrer Jos. Stoll, Namur, Festungsfuhrparkkolonne I, Text: Alles vorzüglich. Nichts schicken, nur schreiben, denn bis jetzt (8. Oktober) habe ich noch keine Zeile bekommen. Adr. Jos. Stoll, Namur über Cöln-Deutz, Festungsfuhrparkkolonne I.

NLJS_Dokumente_CV_0455; Nachlass Joseph Stoll, Bensheim; Ansichtskarte gelaufen, Verlag: Librairie Roman, 43 rue de Fer, Namur, Feldpost 08.10.1915; Adressat: An Frau Prof. Dr. Stoll, Bensheim a/dB, Hessen; Absender: Fahrer Jos. Stoll, Namur, Festungsfuhrparkkolonne I, Text: Alles vorzüglich. Nichts schicken, nur schreiben, denn bis jetzt (8. Oktober) habe ich noch keine Zeile bekommen. Adr. Jos. Stoll, Namur über Cöln-Deutz, Festungsfuhrparkkolonne I.; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2021.

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