Montag, 10. September 2018

"Gold gab ich für Eisen" - Urkunde über eine Goldspende anlässlich der Goldsammlung 1916.

Der Krieg hielt auch 1916 weiterhin an und nicht nur die Lage an der Front verschärfte sich, sondern auch die Haushaltslage der europäischen Kriegskassen. In ganz Europa, selbst in den USA, wurden auf verschiedene Art und Weise Rohstoffe eingesammelt, Geldspenden erbeten und Edelmetalle in Devisen getauscht, um die unaufhaltsam steigenden Kosten bei sich gleichzeitig verschärfender Rohstoffversorgung sicherzustellen.

Unaufhaltsam wurde im wahrsten Sinne des Wortes "das Tafelsilber verscherbelt". Waren es zu Beginn noch reine Kriegsanleihen, so machte man nun auch vor Kirchenglocken, Orgelpfeifen und Eheringen nicht mehr Halt.


Die hier gezeigte Urkunde über 16,50 Mark abgelieferten Goldes ist ein Beleg für den verzweifelten Versuch, den Krieg am Laufen zu halten. Was aber waren 16,50 Mark zur damaligen Zeit wert? Was konnte sich der Spender für diesen "vergüteten" Betrag kaufen.

Vielleicht macht man dies am besten an alltäglichen Gütern fest, dem Brot zum Beispiel. Im Jahre 1916, dem Zeitpunkt der Goldspende, hätte man 100 kg Weizenmehl  - jetzt kommen regionale Unterschiede zum Tragen - für 34,75 Mark in Eilenburg / Sachsen kaufen können oder für die gleiche Menge 50 Mark in Bayreuth / Bayern gezahlt. Das Brot als Bezugsgröße hätte in Frankfurt am Main 40 Pfennige für ein Kilogramm gekostet, wären also 41 Laib Brot gewesen.1

Was genau der edle Spender eingereicht hat, ist leider nicht klar, aber zumindest ist er eine Zeit lang satt geworden. War er der Einzige? Wohl kaum, denn sein Beitrag war, gemessen an der Gesamtsumme, bescheiden.

Die Werte der verschiedenen "Gelddruckaktionen" und deren Absicherung durch Kriegsanleihen kann man im Detail nachvollziehen. Im Jahre 1916 wurden durch zwei Kriegsanleihen - es waren während des Krieges insgesamt neun Kriegsanleihen - 21.365.000.000 Mark erzielt, allerdings 23.154.000.000 Mark als Schatzanweisungen in Umlauf gebracht2.... Richtig! Der Volksmund spricht von "Miesen"!



Links und Literaturhinweise

1) Brot- und Mehlpreise 1916, Quelle: Bergische Arbeiterstimme 29. Juni 1916: Mehl- und Brotpreise in deutschen Städten, entnommen der Homepage "1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch" https://archivewk1.hypotheses.org/27632

siehe auch: Goldsammlung Petrinum - Schüler überwiesen im Kriegsjahr 1915 bereits 56.840 Goldmark, auf http://www.dorsten-lexikon.de/goldsammlung-petrinum/

© Frank-Egon Stoll-Berberich, 2018, Alle Rechte vorbehalten.

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