Samstag, 19. Mai 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Einquartierungen

Der Krieg bringt Veränderungen. Die Männer und Söhne müssen einrücken, die Versorgungslage der Bevölkerung muss sichergestellt werden und die Privatsphäre erleidet massive Einschnitte, denn es kommt zu Einquartierungen. Was des einen Freud, ist des anderen Leid.

Die Pflicht ruft... es wird einquartiert!

Im Bergsträßer Anzeigeblatt wird in der Rubrik "Vermischtes" kurz auf den Sachverhalt und die Verfahrensweise hingewiesen. Es trifft jeden, aber diejenigen, die Geld haben, können die zugewiesenen Soldaten auch woanders auf eigene Kosten unterbringen und bleiben so in ihrer Privatsphäre ungestört. 

BIAB_Bergstraesser_Anzeigeblatt_19140807_004.jpg; Stadtarchiv Bensheim; Anzeige im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 7. August 1914 unter "Vermischtes": Einquartierungen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die von der Militärbehörde den einzelnen Gebäuden zugeteilte Mannschaft an Einquartierung auf die Inhaber der Wohnungen nach Verhältnis der Größe der letzteren verteilt wird. Hiernach ist auch der Mieter zur Quartierleistung verpflichtet. Die für jedes Gebäude festgesetzte Einquartierung muß auch dann gewährt werden, wenn der Hauseigentümer verreist oder abwesend sein sollte. In diesen Fällen erfolgt die Ausquartierung durch den Bürgermeister auf Kosten des Hauseigentümers oder Mieters. Quartierpflichtigen ist es gestattet, auf ihre Kosten die ihnen zugeteilte Mannschaft auszuquartieren; digitalisiert und zusammengestellt: Frank-Egon Stoll-Berberich 2018.


Der Handel ist vorbereitet... Bett und Matratze müssen her...

Es müssen die einzelnen Haushalte also "aufrüsten". Alles, was ein einquartierter Soldat braucht, bietet der örtliche Handel an:




Links und Literaturhinweise


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Freitag, 27. April 2018

"Draußen ist es heute sehr kalt" - Gefreiter Jakob Seeger schreibt seiner Familie in Auerbach

Gefreiter Jakob Seeger hält sich im Frühjahr 1917 in Lemberg (Lwiw) auf. Lemberg, eine der größten Garnisonen der k.u.k. Monarchie und somit ein Schutz vor dem russischen Zarenreich, fiel 1914 in der Schlacht von Lemberg kurzzeitig in russische Hände, konnte zurückerobert werden, war aber bis zur russischen Revolution immer wieder gefährdet.

Jakob Seeger allerdings kämpft mit der Kälte und zieht sich in das Soldatenheim zurück. Er schreibt:
"geschrieben, den 5.2.1917, Meine Lieben! Sende Euch nochmals die besten Grüße von hier, und hoffe, daß Ihr auch noch alle gesund seid. Habe Euch Lieben gestern auch eine Karte geschickt. Draußen ist es heute sehr kalt, habe mich wieder im Soldatenheim niedergelassen, denn hier ist es schön warm. Sonst wüßte ich nichts neues. Viele Grüße und baldiges Wiedersehen Euer tr. Vater. Schreibt bitte auch bald wieder"
BIAB_HBS_0024.jpg; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober; Feldpostkarte gelaufen 05.02.1917, Stempel: K.D. Feldpoststation, 5.2.1917. 4-5 N, Nr 268; zusätzlicher Stempel: Deutsches Soldatenheim Lemberg; Absender: Gefreiter [Anm.: Jakob] Seeger, Militär Güter und Paketamt, K.D. Südarmee, deutsche Feldpost 151; Adressat: Frau Marie Seeger, Auerbach (Hessen), Neuer Weg N. 14;  Text: geschrieben, den 5.2.1917, Meine Lieben! Sende Euch nochmals die besten Grüße von hier, und hoffe, daß Ihr auch noch alle gesund seid. Habe Euch Lieben gestern auch eine Karte geschickt. Draußen ist es heute sehr kalt, habe mich wieder im Soldatenheim niedergelassen, denn hier ist es schön warm. Sonst wüßte ich nichts neues. Viele Grüße und baldiges Wiedersehen Euer tr. Vater. Schreibt bitte auch bald wieder; Verlag: Wydawnictwo Salonu Malarzy Polskich w Krakowie 1916; zusammengestellt und transkribiert: Frank-Egon Stoll-Berberich 2018.
Verlag: Wydawnictwo Salonu Malarzy Polskich w Krakowie 1916.



Diese Karte ist als "tragischer Vorbote" zu bezeichnen, denn es wird eine Lungenentzündung sein - zugezogen im kalten Winter 1918 - die Jakob Seeger kurz vor seiner Heimkehr in die hessische Heimat und wenige Tage nach Ende des Krieges, das Leben kosten wird. 

Das ganze Schicksal Jakob Seegers finden Sie hier.


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Samstag, 14. April 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Aufruf an alle 16-jährigen Bensheimer

Bereits zwei Monate nach Ausbruch des Krieges wird alles mobilisiert, was alt genug erscheint, die vaterländischen Pflicht erfüllen zu können. So sollen auch die Bensheimer Jugendlichen ab 16 Jahre militärisch vorgeschult werden und Vereine und Schulen sollen bei der Erhebung der notwendigen Daten helfen. In der Anzeige im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 21. September 1914 heißt es:

"Militärische Vorbildung der Jugend während des Kriegszustandes. Nach einem vom Großherzoglichen Ministerium  des Inneren auf Hessen ausgedehnten Erlaß preußischer Behörden, abgedruckt im Amtsverkündigungsblatt Nr. 37 vom 16. September 1914, soll unsere Jugend schon vom 16. Lebensjahre an auf den Militärdienst vorbereitet werden. Da die Erfüllung dieser Aufgabe eine hohe vaterländische Pflicht bedeutet und ein enger Zusammenschluß aller wehrfähiger Personen unbedingte Notwendigkeit ist, richten wir das dringende Ersuchen an die männliche Jugend, soweit sie das 16. Lebensjahr erreicht hat, sich an den geplanten Veranstaltungen recht zahlreich zu beteiligen.
   Anmeldungen auch derjenigen Personen, die hierbei als Führer und Leiter mitwirken wollen, werden bei uns, Zimmer 9, bis spätestens 1. Oktober l. Js. entgegengenommen.
   Die Meldungen solcher jungen Leute, die Vereinen angehören, und diejenigen von Schülern, erfolgen zweckmäßig durch Vermittelung der Vorstände, bezw. Leiter der Schulen. In diesen Fällen sollen die bei uns einzureichenden Listen, Vor- und Zunamen, Geburtstag, Wohnung und berufliche Tätigkeit enthalten.
Bensheim, am 21. September 1914.
Der Bürgermeister: In Vertretung: Denig."



Links und Literaturhinweise

1) vgl. Artikel Westdeutsche Zeitung vom 29. Juli 1914: Erster Weltkrieg an der Heimatfront: Jugendliche an die Waffen (zuletzt besucht am 27.01.2018).
2) vgl. WDR-Homepage: Mit den Augen eines 16-jährigen Soldaten (zuletzt besucht am 27.01.2018)
3) vgl. Homepage "Die Welt der Habsburger", Die Schulfront. (zuletzt besucht am 27.01.2018)


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Samstag, 7. April 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Kriegsbedingte Aufrufe und Werbung


...sind wir genötigt, die Kasse vormittags zu schließen... Arbeitskräftemangel

Nachdem die Mobilmachung beschlossen, der Krieg ausgebrochen war und immer mehr Männer im wehrfähigen Alter ihren Dienst an der Waffe antreten mussten, lichteten sich in der Heimat die Reihen. Arbeitskräfte wurden rar und es musste Ersatz gefunden werden.
Immer mehr traten Frauen[1] an die Stelle der fehlenden Männer, aber auch patriotische Aufrufe sind zu finden, die selbst vor dem wohlverdienten Ruhestand nicht Halt machen.

Die Annonce der Pfälzischen Landesbank[2] - hier die Filiale in Bensheim - im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 10.08.1914 weist auf das Problem der fehlenden Arbeitskräfte hin. Die Geschäftsstelle kann nur noch am Vormittag öffnen, denn die Direktion befindet sich an der Front:
"Pfälzische Bank; Wir geben hiermit davon Kenntnis, daß wir den Betrieb der hiesigen Filiale vollständig aufrecht erhalten, obwohl die Herren Direktoren Bernatz und Habich, sowie vier Gehilfen zu der Armee einberufen sind. Zu unserem Bedauern sind wir aber durch den infolge der Mobilmachung eingetretenen Mangel an Personal genötigt, die Kasse bis auf Weiteres nachmittags zu schließen. Die Kassestunden sind für die Folge: 8-12 Uhr vormittags. Wir bitten in diesen schweren Zeiten um geneigtes Entgegenkommen. Filiale der Pfälzischen Bank; Direktion: Lehmann. Steinbacher. (4090)" 



...selbstlose kostenfreie Vertretung... die Rettung naht

Doch Rettung naht, denn in den frühen Stunden des Krieges herrscht noch patriotisches Pflichtgefühl, welches auch einen "privatisierenden" Bewohner Bensheims seinen Teil beitragen lässt. In seiner Anzeige aus dem Bergsträßer Anzeigeblatt vom 10. August 1914 heißt es: 

Heilige Pflicht eines Jeden, dem Alter, Gebrechlichkeit oder Krankheit nicht gestatten, unseren Fahnen zu folgen ist in diesen schweren Tagen, seine Zeit und Kraft, sein Wissen und Können in den Dienst der Zurückgebliebenen zu stellen!
Gerade den alten privatisierenden Kaufleuten bietet sich jetzt Gelegenheit, helfend einzugreifen, indem sie die Vertretung der einberufenen Kollegen übernehmen und mache ich daher den Anfang, indem ich diejenigen Geschäfte ersuche, denen eine selbstlose kostenfreie Vertretung erwünscht ist, vertrauensvoll sich an mich zu wenden.; M. L. Wolff, Ernst-Ludwigstr. 36. Bensheim, den 7. August 1914"


Links und Literaturhinweise

[1] Dossier der Bundeszentrale für Politische Bildung: Frauenarbeit und Geschlechterverhältnisse (zuletzt besucht am 25.01.2018)
[2] Im Jahre 1902 übernahm die Pfälzische Bank die Volksbank Bensheim eGmbH und ihre Filialen, die wiederum 1921 von der Rheinischen Creditbank und 1929 von Deutschen Bank übernommen wurde. Quelle: http://www.bankgeschichte.de/de/content/839.html (zuletzt besucht am 25.01.2018)


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Dienstag, 27. März 2018

Fotografie des Dragoners Paul Klein aus Bensheim Auerbach, gefallen im August 1916 in Frankreich

Wieder einmal hat Herr Hans Bernhard Schober ein Zeitdokument aus dem Ersten Weltkrieg zur Verfügung gestellt, welches die Geschichte der Bensheimer im Ersten Weltkrieg um ein weiteres Puzzleteilchen ergänzt.

Paul Kleins Name wird auf dem Ehrenmal in Bensheim Auerbach geführt und dort sein Tod mit dem Datum 16.08.1916 angegeben. Das unten angeführte Bild zeigt ihn als Dragoner - so die Aufschrift auf der Rückseite des Bildes: "Dragoner Paul Klein, gefallen August 1916 bei () Frankreich" - wobei die Angaben in Bezug auf auf den Sterbeort und das Sterbedatum unvollständig sind.

Bei den Recherchen nach Paul Klein fällt auf, dass:
a) sein Name sich nicht in den Online-Listen des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. finden lässt,
b) der Name Paul Klein - eingegrenzt durch das ungefähre Todesdatum - in den Verlustlisten nur als "schwer verwundet" auftaucht (Deutsche Verlustliste Nr. 601., 8. August 1918, Seite 13876, Reichenbach, Landwehr-Infanterie-Regiment 84). 

Inwiefern die Uniform, die Zugehörigkeit zur Landwehr (Hinweise Verlustlisten und Ehrenmal) und der Hinweis auf den Fotografen "Atelier A. Nolden Cöln-Deutz, Freiheitsstraße 55" weitere Möglichkeiten bieten, den Werdegang und das Schicksal des Paul Kleins zu erschließen, ist unklar.


BIAB_HBS_0023.jpg; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober; Fotografie mit Aufschrift auf der Rückseite "Dragoner Paul Klein, gefallen August 1916 bei () Frankreich". Das Bild wurde vom Fotografen "Atelier A. Nolden Cöln-Deutz, Freiheitsstraße 55" gefertigt. Auf dem Ehrenmal in Bensheim Auerbach wird der Dragoner Paul Klein ebenfalls erwähnt. Hier lautet die Inschrift "Klein, Paul  Ldwhr. Frankreich gefallen 16.08.1916"; Nachlass Paul Klein, Bensheim; Bild zur Verfügung gestellt von Hans Bernhard Schober, zusammengestellt von Frank-Egon Stoll-Berberich 2017.

Ehrenmal Bensheim-Auerbach


Weitere Details zum Ehrenmal in Bensheim Auerbach finden Sie hier.


Links und Literaturhinweise



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Samstag, 3. März 2018

Der Erste Weltkrieg im Bergsträßer Anzeigeblatt - Patriotische Aufrufe

... gemeinsam sind wir stark...

Der Krieg ist erst ein paar Tage alt, das, was noch kommen wird, liegt fern ab jeder Vorstellung und wird alles, was bisher als Krieg bezeichnet wurde, in den Schatten stellen. 
Doch noch ist Patriotismus gefragt und so verwundert es nicht, dass etliche Aufrufe und Anzeigen an das "Zusammenhalten" appellieren und jeder trägt auf seine / ihre Art und Weise etwas dazu bei, nicht den Mut zu verlieren: 

An Deutschlands Frauen und Mädchen.

An Deutschlands Frauen und Mädchen
Wenn unsre Söhne, unsre Männer, unsre Brüder
in großen Scharen ziehen jetzt hinaus,
um kampfbereit und bis aufs äußerste entschlossen,
zu schützen Vaterland und Herd und Haus,
dann ist es unsre Pflicht, ihr deutschen Frauen und Mädchen,
nun doppelt tapfer, doppelt stark zu sein,
und alle Klagen alles Zagen zu verschließen
in unsres Herzens tiefstem Kämmerlein!
Es geht schon schwer genug der Vater von den Seinen,
der Sohn von seinen alten Eltern fort, -
erschwert die Trennung nicht mit Jammer und mit Tränen,
voll Zuversicht sei euer Abschiedswort!

Es ist im ganzen Deutschen Reiche seine Hütte,
es ist im ganzen Reiche sein Palast,
in dem nicht - glaub' es mir nur, liebe Seele -
die Sorge einzog, als ein trüber Saft!
Und daß wir alle, jung und alt, und hoch und nieder,
gemeinsam bangen um das Vaterland,
das bringt Versöhnung, und das schließt um unsre Herzen
ein heiliges, ein treues, festes Band!
Nein - klagt und zagt nicht - deutsche Frau'n und Mädchen!
Laßt uns voll Mut und festem Gottvertraun,
als tapfre Kameraden unsrer tapfren Streiter,
mit hellen Augen in die Zukunft schau'n!
(Aus dem Mannheimer Tageblatt) Lina Sommer"


Mitbürger. Schwere Zeit ist über uns hereingebrochen...

Was Lina Sommer in einem Gedicht ausdrückte, versucht der "Bensheimer Ausschuß" - bestehend aus einer Vielzahl von Bensheimer Größen durch das Sammeln von Spenden:

Mitbürger. Schwere Zeit ist über uns hereingebrochen. Ein furchtbarer Krieg ist uns aufgezwungen worden und die waffenfähigen Männer sind mit Armee und Marine ausgerückt, des Reiches Grenzen zu verteidigen. Viel Not und Elend gibt es bald zu lindern; auch in unserer Stadt sind viele Familien des Ernährers beraubt. Um die nötigsten Bedürfnisse zu befriedigen, bedarf es viel Geld und Hilfe jeder Art. Es gilt die Sorge unserer Kämpfer, die für uns bluten, dadurch zu erleichtern, daß wir bei den Zurückgebliebenen die drückendste Not bessern. Wie bereits durch die Presse bekannt gegeben, hat sich hier ein Ausschuß für freiwillige Hilfstätigkeit gebildet, der bestrebt ist, die nötigen Geldmittel zu beschaffen. Eine Liste wird in den nächsten Tagen von Haus zu Haus gehen. Mitbürger, unterstützt die Sammlung, steuere Jeder nach seinen Kräften bei!
Bensheim , den 6. August 1914.
Der Ausschuß: Adolf Bendheim, Kaufmann Jaeger, Justizrat Krenkel, Oberstadtsekretär Möller, Pfarrer Gustav Müller, Roos, Stadtrechner, Weller, Polizeikommissar, Zaubitz, Dekan



Segen von oben....

Die jüdische Gemeinde in Bensheim schließt sich an und betet täglich zweimal für die Frontsoldaten in der Bensheimer Synagoge. In einer kleinen Anzeige heißt es unter "Verschiedenes":

"Laut Anordnung Großherzoglichen Rabbinats Darmstadt II. findet anläßlich der Truppenabmärsche in der Bensheimer Synagoge ein Bittgottesdienst statt. Ferner wurde bestimmt, daß bis auf weiteres täglich in einem morgens und abends abzuhaltenden Gottesdienste der Krieger gedacht werden soll."



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